Günter Stelbrink

Notizen zum Kolloquium

Direkte Fotografie: Die Wirklichkeit. Das Authentische ist der Moment der Aufnahme. Der Mensch stellt sich selbst dar. Er stellt sich dem Angegucktwerden.
Schon früh in meinem Studium interessierte mich die Frage, was Fotografie ist, warum wir fotografieren und wie fotografische Bilder als einzelnes Bild und als Massenmedium auf uns wirken. Was meint sie damit? Was steht dahinter, wenn Susan Sontag schreibt: “Die Fotografie verändert radikal unsere Sicht auf die Welt und auf uns selbst.“
Oder was meint Klaus Honnef in einem Beitrag zu der Ausstellung Lichtbildnisse “....aus dem fotografischen Abbild ist längst das fotografische Vorbild geworden.“
Der Philosoph und Medienkritiker Vilèm Flusser macht in seinen Schriften darauf aufmerksam, dass die Kamera so gebaut ist, dass mit dem Knopfdruck (Auslöser) ein ganz bestimmter Prozess abläuft, der zu ganz bestimmten Bildern führt, etwas, das aus ganz bestimmten Interessen heraus entstanden ist, das aus diesen Interessen heraus entwickelt wurde. Der Fotograf muss das wissen, um nicht nur ein Funktionär des Apparates zu werden. Er muss von seinen eigenen Bildideen ausgehen und den Apparat zwingen, sich diesen Bildideen anzupassen. Zum Einen erfuhr ich in meinem Studium von der Entwicklung der künstlerischen Fotografie, das heißt Entfaltung und Entwicklung fotografischer Bildsprache als Reaktion auf bzw. in der Auseinandersetzung mit dem Leben.
So die fotografische Bildsprache von Dian Arbus, ihre Wahrnehmung individueller Umsetzung von Außenseitern, Freaks, Menschen am Rande einer bürgerlichen Gesellschaft.
Robert Frank: Die Vereinsamung von Menschen in einer modernen kapitalistisch ausgerichteten Welt in schnell wachsenden Städten, deren Tempo und Verwertbarkeit die Menschen nicht mit bekommen.
August Sander, der in der 30er Jahren das Bild einer Gesellschaft im Hinblick auf ihre Stände, die Bedeutung eines Menschen in einer Gesellschaft auf Grund seines Berufes entwirft usw., usw.
Aber in unserer Gesellschaft existiert der Fotograf in dieser Form seiner Bedeutung (als Beruf) nicht. Dort gibt es den Fotografen nur als Dienst Leistenden, in der Werbung, im Journalismus, als Gesellschaftsfotograf...
Von ihm verlangt wird, Bilder zu produzieren, welche in Trends oder Marketing Strategien hineinpassen, d.h. man ist nur an seinem technischen “Know how“ interessiert aber nicht an seinen Bildideen, an seiner visuellen Wahrnehmung, es sei denn, er schafft es in den immer sehr eng gehaltenen Kreis so genannter künstlerischer Fotografen.
Wieso war es mir nicht ganz normal möglich, mit dem was ich gelernt hatte, dann hinzugehen, mich der Wirklichkeit anzunähern, einen Beruf, eine Anstellung zu finden? Wieso musste ich wieder lernen, je besser und perfekter ich lügen kann, das ganze Design nenne, dass ich nur so Arbeit finden kann. Was war mit diesem Beruf los? Was klaffte da zwischen dem, was ich gelernt hatte und dem, was eine Gesellschaft von dem, der Bilder macht, erwartet? Ich wollte das Umfeld, die Berufsfindung, die Arbeitsfeldwahrnehmung, die Bildsprachenentwicklung des Berufsbildes von Fotografen erfragen, mit ihnen diskutieren. Die Auswahl der Fotografen ist breit gestreut: Bildjournalismus, Werbung, Einzelgänger, international Bekannt, Autorenfotografen, Newcomer.

Unterwegs von September 1992 bis Ende Oktober 1992

Diplom am Fachbereich Gestaltung der Fachhochschule Bielefeld im Februar 1993

26 Fotografen: Bildjournalismus, Künstlerische Fotografie, Autorenfotografie, Dokumentarismus.

Technische Daten: Kleinbild, Farbe, 25 ASA

  Günter Stelbrink
"...der mit Licht schreibt"
Portraits deutscher Fotografen