Peter Dimke

ja, hallo - hier spricht die KunstForschung,

Annette Bültmann hatte bei uns angefragt, ob die VM 2000 Redaktion die Dezember-Info der KunstForschung in ihrer nächsten Ausgabe veröffentlichen könnte.

Ich habe daraufhin nur kurz die Ausgabe 64 angeschaut und bin an dem Artikel von Jürgen Meier hängen geblieben. Der Kunstbegriff, der hinter diesen Ausführungen steht, ist für mich absurd. Also: "wurzellos" inbezug auf die heutige zeitgenössische bildende Kunst. Meier verstrickt sich selbst in einer Ideologie mit den Argumenten seiner Kritik am Betriebssystem Kunst und derartigen Erscheinungen, die natürlich auch in die Reihen der Kuratoren und Künstler hinein reichen - keine Frage.

Aber meine Meinung ist: "Es gibt keine gute und schlechte Kunst, es gibt nur Kunst und eben keine Kunst."

Das Argument der "gut-Fortschrittlichkeit", mit der die Kunst bei Ihm zurecht gerückt werden soll, ist doch ohne Rücksicht auf die vergangene Moderne und/oder die zeitgenössische Kunst konstruiert und als Begrifflichkeit unnötig und unbrauchbar. "Fortschritt in der bildenden Kunst" ist doch ein Widerspruch in sich.

Völlig unglaubwürdig wird Meier für mich mit seinem Schlusswort :

"Richtige Erkenntnis der konkreten Widersprüche des Menschen und der Menschen ermöglicht dem Künstler ein richtiges Gefühl. Richtiges Gefühl, ermöglicht echte Kunst. Echte Kunst ermöglicht beim Betrachter und Hörer richtiges Gefühl, richtiges Gefühl, ermöglicht richtige Erkenntnis über die Wirklichkeit, richtige Erkenntnis ermöglicht richtiges Handeln, richtiges Handeln führt zu Veränderung des Menschen."

Und ich höre den selbst ernannten Kunst-Richter Meier schon sagen:
"Hier wird kein Recht gesprochen, hier werden Urteile gefällt !"

Also - jeder soll ja seinen Kunstbegriff haben und pflegen. Ich frage mich jetzt nur, ob dieser Kunstbegriff auch der der Redaktion vm2000 ist. Ich habe ja schon vor Zeiten die sozialen Intentionen von Jörg Boström geschätzt. Aber Meier spricht doch eine ganz andere dogmatische Sprache in seinem Beitrag.

Bevor also mein Beitrag insbesondere unter dem Motto:
# ... zum Arbeitstitel
      perspektivloses Wohlgefallen an Fotografie
      "die Kunst ist frei" (... mal sehen)
erscheint, hätte ich dazu gern eine kurze Erklärung der Redaktion - zumal die Dezember-Info der KunstForschung (allein) eigentlich aus dem Zusammenhang genommen und nicht ohne weiters zu verstehen ist.

die Erklärungen der VM 2000 Redaktion sind eingegangen:

Hallo Herr Dimke,
der Artikel von Jürgen Meier entspricht nicht unbedingt der Meinung der Redaktion. Ich persönlich finde Kunst gut, wenn sie mir gefällt... das wird wohl häufiger vorkommen. Verstehe ich das richtig, dass Sie uns noch eine kurze Einleitung über Kunst und Wohlgefallen schicken werden, die dann vor den Artikel gestellt werden kann?
Viele Grüße Annette Bültmann

ja, gut - das wäre dann hiermit eigentlich schon geschehen

Lieber Peter Dimke,
nach langer Zeit mal wieder im Gespräch.. du weißt vielleicht noch, dass ich in "ideologischen" Fragen immer "offen" war.. nach Mitte und Links.. Meier war schon als Student ein gewissenhafter Überzeugungstäter.. auch in der reinen Lehre des Kommunismus.. etwa in Rumänien.. eher K als KPD oder DBK.... in der damaligen Zeit habe ich mir viel angehört und zugehört.. bin aber selbst bis heute ein in allen Bereichen "ungläubiger" Mensch. Im Magazin treiben wir ein "Spiel" mit der Erinnerung und der Präsentation verschiedner Bild- und Denkformationen.. ohne eigene "Ideologie". .. "Du nimmst nichts ernst.. noch nicht einmal dich selbst.." beklagte sich einmal eine nahe Freundin bei mir.. stimmt nicht ganz.. mich schon.. nur merkt es nicht jeder.. Du siehst, im "Ernstfall" komme ich nicht aus ohne Anführungszeichen.. über den neuen Kontakt mit dir auch im Magazin würde ich mich freuen.. ohne Anführungszeichen.. aber in eine durch Schienen sortierte Reise wirst du dabei nicht geraten..
Beste Grüße Jörg Boström

also gut, ok. dann sollte es bei der Einleitung in Sachen Kunstbegriff bleiben und die Info der KunstForschung kann hiermit folgen:


KunstForschung
Informationen, Dezember 2012

# ... zum Arbeitstitel
      perspektivloses Wohlgefallen an Fotografie
      "die Kunst ist frei" (... mal sehen)
# ... ja, muss denn die Kunst wieder einmal befreit werden ?
      na ja, wir befreien erst einmal die Fotografie von der Perspektive, ok ?

# ... die stürzenden Linien, an die wir uns aufgrund der fotografischen Sicht auf die Welt gewöhnt haben, sind überkommene Hinweise auf die, von Alberti erfundene, Perspektive. Wir sind, so zu sagen, mit der Konstruktion aus dem 15. Jahrhundert aufgewachsen/ verwachsen und stellen sie in der alltäglichen Wahrnehmung einstürzender Neu- und Altbauten nicht infrage.

Perspektive (von lateinisch perspicere = hindurchsehen, hindurchblicken) bezeichnet die räumlichen, insbesondere linearen Verhältnisse von Objekten im Raum: Das Abstandsverhältnis von Objekten im Raum in Bezug auf den Standort des Betrachters. Damit ist die Perspektive stets an den Ort des Betrachters gebunden und kann nur durch Veränderung der Orte der Objekte und des Betrachters im Raum verändert werden.
Diese Feststellung ist dahingehend wichtig, als das eine Perspektive nicht durch Veränderung des Betrachtungsausschnitts (z. B. durch Verwendung eines Zoom-Objektivs in der Fotografie) herbeigeführt werden kann.
In einem Buch aus dem Jahre 1436 erläuterte Leon Battista Alberti die mathematischen Methoden, mit denen auf Gemälden eine perspektivische Wirkung zu erzielen sei. ... sihe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Perspektive

# ... wollen wir die Welt (ohne Verzerrung durch Objektiv und Kamera) erkennen und (wie gegeben) bildlich erhalten, dann sehen wir nachfolgend die Möglichkeit, fotografische Vorlagen von/ aus der Perspektive zu befreien. Das alles wäre dann wörtlich gemeint und im Sinne der ´bildenden´ Kunst verstanden. Ebenfalls wie gehabt deutlich: die verloren gegangene Glaubwürdigkeit der Fotografie. Die fixierten Objekte/ Subjekte waren so und nicht anders an diesem bestimmen Ort vorhanden. Sie sind vom Betrachter so und nicht anders aufgenommen, anerkannt und fotogeschichtlich abgelegt.


# ... siehe: Technische Universität, Berlin

# ... siehe: Architektur von Hinrich Baller, Berlin

# ... siehe: Müllverbrennungsfassade, Berlin

# ... siehe: einmal doppelt deutlich, das perspektivlose Weltbild aus Berlin + Kassel zusammengesetzt

# ... zum guten Schluss dieser kleinen KünstlerTheorie, in Sachen `perspektivloses Bild als Weltbild´, mit Rücksicht auf die stürzenden Linien ein Hinweis per Käsekuchenanzeiger. Der innere Bezug der Fototeile verweist auf die Möglichkeit der Zeitbestimmung schon vor Erfindung der Armbanduhr
- siehe auch:
www.fridericianum-kassel.de/

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www.kunstforschung.de

Kunstforschung ist ein tradierter Begriff sowohl der Musiksoziologie, der Kunstgeschichte als auch der Philosophie.
Unser Anliegen ist es, ihn zu aktualisieren und im Sinne der Kunst sowie um´s Kuenstlertheoretische zu erweitern.
Ausgehend von der Geschichte der KuenstlerTheorien nehmen wir eine konzeptionelle Haltung im Sinne der Kunst ein.

Das Ineinanderlegen von Kunst und Wissenschaft ist ein problematisches Feld,
auf dem immer wieder quasi interdisziplinaer argumentiert wird.
Wir selbst bleiben dem Begriff Kunstforschung treu, sehen ihn aber weiterhin in der Bildenden Kunst verwurzelt.

Der Begriff Kunstforschung wurde in den letzten Jahren vielerseits einer Abwertung unterworfen,
indem (im einfachsten Fall) durch einen vorgetragenen wissenschaftlichen Anspruch z.B. versucht wurde,
leichter Foedergelder akquirieren zu können.

Die KunstForschung , wie wir sie verstehen und eingerichtet haben, sieht sich in unserem Fall,
aufgrund langjaehriger Erfahrungen in der Lage, die Uebertragung konzeptioneller Strategien aus der bildenden
Kunst in philosophisch-kulturelle Kontexte und / oder gesellschaftliche Anwendung zu gewaehrleisten.

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