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Virtuelles Magazin 2000

 


Hans Jürgen Bennert

 

Sieg bei der Segelregatta

 

Leute, das war die härteste Regatta, die ich je gesegelt bin.

Wäre ich allein im Boot gewesen, hätte ich die Segel gestrichen und wär' "nach Hause" gefahren.

Aber ich hatte ein Ass des Segelsports an der Pinne, deshalb muß ich richtigerweise sagen:

WIR haben gewonnen.

Der Gerd ist etwas jünger als ich und segelt seit fünfzig Jahren Regatten;

früher mit der Jeton-Jolle deutschlandweit und seit vielen Jahren mit einem Kielboot Condor70 bei uns im Club.

Er hat sein  Boot dieser Tage schweren Herzens verkauft, weil seine Frau nicht mehr mit segeln kann.

Mit ihr als Vorschoterin waren sie viele male Clubmeister und erfolgreich bei den Chiemseemeisterschaften.

Er rief mich heute Mittag an und fragte, ob er bei der "Sundowner" heute Abend mit mir segeln kann.

"Na klar!"

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Zu dem Zeitpunkt schüttete es noch in Strömen, aber dann hellte der Himmel auf

und gleichzeitig legte der Wind aus Südost derart zu,

dass uns beim Start schon klar wurde, wir hatten mit der großen Genua viel zu viel Tuch gesetzt.

Ein Reff im Grosssegel war die Lösung, aber in den Fünfer-Böen legte sich der Kahn schon gewaltig auf die Backe, 

ohne dass meine alte "Tanta Delanta" luvgierig wurde, sondern den Kurs sauber und ohne großen Ruderdruck hielt.

Ich war heilfroh, dass Gerd an der Pinne blieb und ich auf Kommando an der Fock hantierte.

Ohne Winsch und Kurbel war die überhaupt nicht dicht zu holen.

Jetzt weiß ich, warum bei Profi-Regatten Riesenkerle mit Superbizeps an den Grindern schuften.

Ich habe noch nie so viel auf meinem Boot "gearbeitet" wie heute!

Aber es hat unheimlich Spaß gemacht.

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Im Laufe der Woche trainieren wir Spinnaker-Segeln. Dann geht's noch mehr zur Sache.

Unser Vorstand, Michi, hat ein neues (altes) Schiff und hatte sich Ralph, auch ein guter Regattasegler, als Taktiker an Bord geholt.

Der Dritte in der Spitzengruppe, war Kurt; zwar auch schon in Pension, aber ein durchtrainierter Ski und Tennislehrer

- mit einem uralten aber immer noch sauschnellen französischen "Häuslschiff".

Um ein Winziges nur haben wir ihn auf den zweiten Platz verwiesen.

Michi und Ralf kamen ganz knapp hinter ihm über die Linie.

Die Stimmung bei der Preisverteilung (mit Freibier) war bombig wie immer.

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Ich habe schon viele schöne Sonnenuntergänge am See erlebt, aber was der Himmel uns heute nach der Regatta bot,

war ein einmaliges, herrliches Schauspiel:

die sinkende Sonne strahlte von unten her gegen tief hängende, wie Kulissen hintereinander gestaffelte Wolkenbänke,

dass deren Ränder leuchteten wie glühendes Metall in einem Schmelzofen.

Der ganze See war in diese rote Glut getaucht.

 

Ist jetzt klar, warum Segeln süchtig macht?

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