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Virtuelles Magazin 2000

 

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Jörg Boström

Zwei gleich eins. 2 Künstler = 1ne Kunst. Eine Ausstellung von Alexander Gierlings und Andreas Jackstien.

Städtische Galerie Petershagen.

 

Zu dem Titel der Ausstellung fallen mir diese Zeilen ein.

Aus drei mach zwei.

Aus zwei mach eins.

Das ist das ist das Hexen Einmaleins.

Das ist allerdings nicht ganz richtig. Es heißt bei Goethe im Faust:

 „Du musst versteh’n!
Aus Eins mach Zehn,
Und Zwei lass geh’n,
Und Drei mach gleich,
So bist Du reich.
Verlier die Vier!
Aus Fünf und Sechs,
So sagt die Hex’,
Mach Sieben und Acht,
So ist's vollbracht:
Und Neun ist Eins,
Und Zehn ist keins.
Das ist das Hexen-Einmaleins!“

Faust soll nun durch einen Zaubertrank verjüngt werden..

Nun. So alt sind diese Künstler noch nicht, dass jetzt schon ihre Verjüngung notwendig wäre..

Aber mit ihrer Verbindung zum Zweierteam und der Zusammenstellung von Malerei und Skulptur, von Raum und Fläche, von Körper, Gegenstand und Abstraktion, von Holz, Metall und Farbformation treten sie eine magische scheinende Verbindung ein. Zum Dialog der beiden Künstler und ihrer Werke kommt die rätselnde und rätselhafte Verbindung zum Betrachter. Aus dem Dialog wird Trialog.

Die Künstler betreiben eine gemeinsame Werkstatt im Seitenflügel eines Bauernhofes in Todtenhausen. Hier lassen sich die Entstehungsprozesse der Werke nachvollziehen und ihre Wechselbeziehungen in nicht immer ganz zufälligen Zusammenstellungen beobachten. Hergestellt mit Kettensäge und Pinsel.

Ich spreche nun über diese Ausstellung als Betrachter.

Da erscheint eine Holzskulptur wie eine abstrakte und geometrische Formation und wird doch aus anderer Rückensicht zum Fragment eines menschlichen Körpers. Dies tritt ein in einen Dialog mit raumbildenden Drahtgestellen. Diese lassen uns erinnern an die Ausbildung und Prägung von Alexander Gierlings als Architekt und Bildhauer.

Da werden menschliche Körperformen im Beziehung gesetzt zu linear erscheinenden Raumkonstruktionen. Ein mit der Kettensäge gefrästes zugespitztes Balkenteil mutiert zur Maske. Immer wieder wenden sich geometrische Ansichten um zu organischen Körperformen, wenn der Betrachter die Skulpturen umwandert.

Der Dialog mit den Bildern von Andreas Jackstien vervielfältigt die Kette der Assoziationen.

Deutlich erkennbare menschliche Figuren werden in Verbindung gebracht mit geometrischen Flächen und Raumvorstellungen. Hinzu kommt, dass die jung und kräftig erscheinenden Körperformen der Malereien in einen Zwiespalt geraten zwischen Lust und Qual. Einmal nachdenklich angelehnt an eine Wand und verfolgt vom eigenen Schatten. Dann wieder nebeneinander gelegt mit dem Partner der Liebe und zugleich verletzt und blutend wie in einer Folterszene. Vom Raben umschwirrt.

Jackstien, Regiemkritiker, Acryl, 2011

Stacheldraht schlingt sich über eine Bildfläche. Umschwirrt von pinselgeschaffenen Insekten und unterlegt von einem tierischen Totenschädel.

Auch mit Stacheldraht wird eine nackte Frau gefesselt. Vielleicht nun noch von einem Raben von der Fesselung teilweise befreit.

Wieder ein Rabe taucht auf über einem anscheinend auf eigenem Blut ruhenden Paar, das wie entspannt an einem Strand liegt.

Auch im Atelier, das ich besuchen konnte, trifft man das ausgestopft schwebende Modell eines schwarzen Vogels.

Immer wieder steht die Spannung des Lebens vor uns, in Malerei und Skulptur, die Spannung zwischen Lust und Schmerz, zwischen Freiheit und Fesselung, zwischen Körperlichkeit und Vision.

Die Titelgebung macht das noch einmal deutlich.

"Erkrankte – Gefallen. Umklammerung - Haptisches Erlebnis. Das Date – Libido. Verwunden – Verwundung,"

Die Ausstellung ist zu sehen im Aten Amtsgericht Petershagen, welches nun ein Kulturzentrum der Stadt ist.

"Recht muss Recht bleiben", steht in goldener Schrift auf der Fassade. So ist es.

Auch Kunst muss Kunst bleiben. Gerade dann, wenn die Werke dem Betrachter Einiges zu denken geben -

auch über das Leben und seine Lust und Qual.

Gierlings

Bestimmung.

Heidrun Breustedt gewidmet.

Kettensäge und Schweißarbeit.

2011

Jackstien,

Bestimmte, Acryl, 2010

Jackstien,

Relikt, Bleistift und Acryl, 2011

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gierlings,

Rudiment, Stahl und Holz, 2011

Gierlings, Rudiment, Stahl und Holz, 2011

Jackstien,

Verwunden, Acryl, 2011

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gierlings,

Verwundung,

Schweiß- und Kettensägenarbeit, 2011

 

Jackstien,

Regiemkritiker, Acryl, 2011

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gierlings,

Oportunist, Kettensäge- und Schweißarbeit, 2011

Jackstien, Gefallen, Acryl, 2011 Verwunden, Acryl, 2011

In den Räumen des Alten Amtsgerichts Petershagen sind Malereien und Skulpturen so plaziert, dass sie einen Dialog mit einander führen, sich zur Kunst zusammentreffen können. Ein Dialog auch der beiden Künstler.

Von Malerei und Skulptur,. "zweigleicheins".

Hinzu kommt der Betrachter, der sich ein eigenes Bild machen kann.