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Virtuelles Magazin 2000

 


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Die Texte in sorgfältiger und eindrucksvoller Typographie. Gedruckt in der aktuellen Werkstatt zu Wittemberg von Hans Lufft. . Anno 1534. Nach damaligen modernsten technischen Möglichkeiten. Die Illustrationen stammen von einem bedeutenden Künstler. Lucas Cranach. Erst die genauere Betrachtung lässt auch aus heutiger Sicht erstaunen. Die Menschen der Bibel, des alten und neuen Testament, sind moderne Menschen dieser Zeit. Sie sind gekleidet in der Mode dieser Zeit. Umgeben mit Dingen und Räumen des Jahrhunderts von Luther.

Ich zeige nun ein paar Scans aus der Büchern.

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Die Geschichte von Abraham, den der Herr auffordert, seinen Sohn Isak zu opfern an einem vorgeschriebenen Ort.

Als Beweis seiner Treue.

Zuletzt rettet ein Engel und verhindert das Menschen Opfer.

Das symbolische Ende der religiösen menschenopfer, die es etwa in der indianischen Kultur noch lange gab. Erst die Kreuzigung jesu bringt ein weiteres Mal den realen Tod eines Sohnes im Auftrag des Vaters. Wiedergutgemacht durch das Symbol der Auferstehung.

Auf der Grafik Abraham in aktueller Kleidung des 16. Jahrhunderts in Deutschland und im Hintergrund eine Landschaft aus dieser gegenwärtigen Zeit mit Hügeln, Dorf und Ackerbau.

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Die zweite Tietelseite des Alten Testaments mit einem Ritter aus dieser Gegenwart der Lutherschen Übersetzung.

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Der weise Salomo schlägt vor
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Der Pharao schildert seinen Traum in dem die sieben mageren Rinder "frassen die sieben schönen fette rinder/ Da erwachet Pharao.

Und er schlieff widder ein / und im traumet abermal."

Im Neuen Testament sieht man an jedem Beginn die Evangelisten.

 

Unter der Darstellung von Johannes dann sein Text

"Am Anfang war das Wort/ und das Wort war bei Gott/ und Gott war das Wort."

Nicht aber die Geschichten von Jesus und seinen Jüngern. Kein 12 jähriger Jesus im Tempel, keine Bergpredigt, keinen Kreuzgang und keine Kreuzigung. Es ist so, als hätte der Grafiker vor der Verkündigung Jesu zuviel Respekt. Als hätte er sich an diese bildnerische Darstellung nicht herangetraut.

Wenn wir aber die für damalige Zeit aktuelle Inszenierung in unsere Gegenwart übersetzt, ist es so, als würden wir heute eine Bibel gestalten in aktueller Typographie und realistischer Grafik . Die Bürger in Jeans und Hemden, die Fürsten im dunklen Politikerdress und die Priester im schwarzen Talar mit weißem Kragen.

In der Zeit Luthers Zeit waren Kunst und Kirche noch eng verbunden. Auch im protestantischen Bereich. Dann gab es ein Zurückweichen in eine zurückgenommene Ästhetik. Bildersturm im extremen Fall. Sparsame, spartanische Bibelausgaben bis heute. Bibel ohne Bilder. Sparsame Typografie. „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen. Weder was im Himmel noch auf der Erde noch unter der Erde ist“. DasVerbot wurde wörtlich genommen. Die heutige Bibel ist Bilder frei.

Ein Kulturstreit nach der Reformation beförderte wesentlich die barocke Kirchen Kunst besonders im katholischen Süden Deutschlands. Hier wurde Kirchenkunst bewusst und selbstbewusst als Präsentation katholischer Identität eingesetzt. Mit eindrucksvollen Verwandlungen der kirchlichen Architektur in weit offene wolkige Himmelsräume. Die menschlichen Figuren verbanden sich mit Heiligen und kindlichen Engeln zu ewigen und ins Unendliche schwebenden Wesen.

Im Übrigen noch immer in sehr sinnlicher Anmutung und in für heutige schmale Schönheitsideale sehr üppigen, lebensbejahenden Körperlichkeit.

Mit dem Realismus des 19. Jahrhunderts begann so etwas wie eine kirchlich – künstlerische Sendepause. Die christlichen Szenen wurden romantisch verklärt. Jesus und seine Jünger wanderten in wallenden Gewändern. In eine romantisch verklärte Bildsprache.

Die Welt von Industrie und Verkehr wurde übersehen und zurückverwandelt. Die Kunst wanderte ab aus den Kirchen in den menschlichen Alltag. Kaffeeszenen, Spaziergänge und Erntearbeit, Wäsche, Bügelfrauen und Ballett rückten in den Blick der Künstler des Im- und Expressionismus. Liebes Szenen und genussvolle Aktdarstellungen. Trennung fast vollständig von Kunst der Gegenwart und Kirche. Auch da, wo Künstler etwa wie der Expressionist Emil Nolde und der impressionistische Realist Max Liebermann kirchliche Szenen gestalteten, gerieten sie nicht oder selten in kirchliche Räume.

Wenn wir aber die für damalige Zeit aktuelle Inszenierung in unsere Gegenwart übersetzt, ist es so, als würden wir heute eine Bibel gestalten in aktueller Typographie und realistischer Grafik . Die Bürger in Jeans und Hemden, die Fürsten im dunklen Politikerdress und die Priester im schwarzen Talar mit weißem Kragen.

In der Zeit Luthers Zeit waren Kunst und Kirche noch eng verbunden. Auch im protestantischen Bereich. Dann gab es ein Zurückweichen in eine zurückgenommene Ästhetik. Bildersturm im extremen Fall. Sparsame, spartanische Bibelausgaben bis heute. Bibel ohne Bilder. Sparsame Typografie. „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen. Weder was im Himmel noch auf der Erde noch unter der Erde ist“. DasVerbot wurde wörtlich genommen. Die heutige Bibel ist Bilder frei.

Ein Kulturstreit nach der Reformation beförderte wesentlich die barocke Kirchen Kunst besonders im katholischen Süden Deutschlands. Hier wurde Kirchenkunst bewusst und selbstbewusst als Präsentation katholischer Identität eingesetzt. Mit eindrucksvollen Verwandlungen der kirchlichen Architektur in weit offene wolkige Himmelsräume. Die menschlichen Figuren verbanden sich mit Heiligen und kindlichen Engeln zu ewigen und ins Unendliche schwebenden Wesen.

Im Übrigen noch immer in sehr sinnlicher Anmutung und in für heutige schmale Schönheitsideale sehr üppigen, lebensbejahenden Körperlichkeit.

Mit dem Realismus des 19. Jahrhunderts begann so etwas wie eine kirchlich – künstlerische Sendepause. Die christlichen Szenen wurden romantisch verklärt. Jesus und seine Jünger wanderten in wallenden Gewändern. In eine romantisch verklärte Bildsprache.

Die Welt von Industrie und Verkehr wurde übersehen und zurückverwandelt. Die Kunst wanderte ab aus den Kirchen in den menschlichen Alltag. Kaffeeszenen, Spaziergänge und Erntearbeit, Wäsche, Bügelfrauen und Ballett rückten in den Blick der Künstler des Im- und Expressionismus. Liebes Szenen und genussvolle Aktdarstellungen. Trennung fast vollständig von Kunst der Gegenwart und Kirche. Auch da, wo Künstler etwa wie der Expressionist Emil Nolde und der impressionistische Realist Max Liebermann kirchliche Szenen gestalteten, gerieten sie nicht oder selten in kirchliche Räume.

Von Liebermann etwa gibt es den eindrucksvollen und realistisch gestalteten Auftritt des 12 jährigen Jesus im Tempel. Auch ein Werk der Kunst ohne Auftrag der Kirche und ohne Auftritt dort.

Die christliche Ästhetik dagegen wirkte ehrfürchtig gestrig und wie zeitlos eingefroren.

In der neuen, in unserer Zeit, ist zu erleben, dass die Kirchen sich wieder der realen Kunstszene zuwenden. Dass die Kirchenräume sich öffnen für die nun autonom und ohne Auftrag schaffenden Künstler.

Dies ist auch zu beobachten in Orten wie Minden, welche ein von städtischer Seite für die Kunst gering entwickeltes Angebot haben. Keine Kunsthalle, einen wenig geförderten Kunstverein ohne Räume, keine freie Galerie. Die wenigen der Kunst gewidmeten Fenster nur in Verbindung mit dem Handel von Kunstmaterialien und Dekoration. Da hat die Kirche, etwa vertreten durch die beiden Heiligen St. Maria und St. Martin Initiativen ergriffen und sich geöffnet für Künstler ihrer Gegenwart, welche selbst meist nicht befasst sind mit religiösen Themen. Es entsteht ein Dialog Kunst und Kirche. Kirche und Kunst.

Bei dem vom Künstlerverein organisierten Projekt ist der Raum, in diesem Unternehmen der Kirchenraum, Anstoß zum Thema „Kunsträume“. Viele Künstler reagieren nun auf das kirchliche Raumangebot. Es waren bei diesem Projekt so viele und interessante Vorschläge, dass wir zwei Termine mit der Kirchenleitung vereinbaren konnten. Zu beobachten ist auch, dass die beteiligten Künstler sich nicht nur dem Thema Raum im abstrakten Sinn zuwenden, sondern in deutlicher Mehrheit auch religiösen Symbolen und Themen.

Es sind angeregt durch dieses Projekt Arbeiten entstanden, welche sich in freier, aktueller Gestaltung zu einer Ausstellung zusammenfügen und im kirchlichen Raum eine neue Form des Dialogs und der Präsentation finden.

Vielschichtig in Material und Ästhetik sind die Bilder und Objekte. Vielschichtig und mehrdeutig sind die Inhalte.

 

Das gilt sowohl für den ersten wie den zweiten Teil der Ausstellung.

Rücken an Rücken sitzt ein Paar. Wie zusammengekettet. Nicht in Tod und Folter sondern in Liebe. Auf der anderen Seite im Kreuz auch als Zeichen der Liebe. Die Liebe nicht nur als himmlische sondern auch als irdische Freude und zugleich als blutiges Opfer.

Bigott dagegen gesetzt ein Bischof Hut gesteift als Skulptur.

Predigtstücke von St. Franziskus an die Vögel gestaltet wie Kirchenfenster.

Tote noch als Lebende in einer Fotoserie.

Da ist eine Wand wie ein Bild. Senkrecht und wagerecht geschlitzt. Wie ein Kreuz. Wie eine Wunde rot in der Tiefe. Kreuzform als Wunde. Erinnerung an die Blutprobe des Römers an der Seite Christi. Kreuzzeichen.

Die vier Evangelisten als Montage in Malerei.

Rollen aus Papieren wir judäische Schriftrollen. Aber nun zur Geschichte von St. Martin.

Bittet so wird euch gegeben. Als symbolistische Malerei.

Gemeinschaft der Heiligen als fotografische Bildfolge.

In vielen dieser Arbeiten wird die christliche Welt zur Welt der Anregung und Besinnung. Wie selbstverständlich entsteht so etwas wie eine neue, christliche Kunst.

Sie ist hier ganz offenbar nicht ins Vergessen geraten.

Viele Gedanken und Symbole in eindeutiger Mehrdeutigkeit. Aus dem Dialog zwischen Kirche und Kunst, Kunst und Raum entwickeln sich neue Bilder, Vorstellungen, Darstellungen.

Der Raum der Kirche, nach oben gerichtet und nach vorn geöffnet, bringt bei den Schaffenden neue Werke hervor und lässt sie sich ein- und zusammenfügen in neuer Höhe und Weite.

So sind Projektionen entstanden. Zwischen Himmel und Erde.

Aus Kirchenräumen werden auch Kunsträume.

Die Besucher sind nun aufgefordert, die Werke auch in Bezug zum Kirchenraum wieder zu betrachten und sich ein Bildnis davon und dadurch auch ein Gleichnis zu machen, auch dann noch, wenn es in eben dieser unserer Bibel ausdrücklich verboten ist.

Aber..... “betet sie nicht an..“

Jörg Boström

 

Kunst und Kirche. Zur Ausstellung in St. Martini Minden.

 

Eine lange Geschichte. Hier in St. Martini nun eine weitere Ausstellung von Künstlern.. wie es heißt.. aus der Region. Zum Thema Kunsträume.

Hier werden Werke in Beziehung gesetzt zu Räumen in diesem historischen Kirchenbau.

 

Es waren immer wieder die christlichen Themen im kirchlichen Auftrag, welche die europäische Kunst weiter entwickelten. Von der Gotik über die Romanik zur Renaissance. Zum Barock.

Die Bibel in der Übersetzung von Martin Luther wurde im aktuellen Stil der damaligen Moderne gestaltet. Ich habe ein solches Werk in originaler Größe mit gebracht. Ein Nachdruck. Vom Taschen Verlag.

 

Zwei Bände. Dick und Schwer. Zum Scannen konnten sie nicht flachgestrichen werden. Unscharfe Teile. Schwer zu bewegen. Aber auch schwer zu lesen. Die alte Typografie. Die alte Orthografie. Die alte Luther Sprache.