abgeschlossen
Kunst im Zellentrakt
Eine Ausstellung mit Wolfgang Baumann, Jürgen Escher, Hans Fleischner, Jürgen Heckmanns, Weizenfeld. 
Im Rahmen der NRW-weiten jüdischen Kulturtage (www.juedische-Kulturtage-nrw.de) zeigt das Kuratorium Erinnern Forschen Gedenken
vom 20. März bis 24. Juli 2011 die Ausstellung

Hartmut Braun

Fotografische Schatten, vibrierende Wände

Kunst im Zellentrakt: Fünf Künstler in der Gedenkstätte im Rathauskeller

Fotografien von Ute Pahmeyer

Herford. Ein Flur mit mehrfach verschließbaren Türen auf beiden Seiten, dahinter Zellen, dazu gebaut, dass Menschen dort eingesperrt werden: Der Zellentrakt im Rathauskeller. Es gibt ihn schon einige Jahre als Gedenk-Ort. Jetzt wird dort Kunst gezeigt. Das Kuratorium "Erinnern Forschen Gedenken" hat fünf Künstler, darunter vier Herforder, zur Auseinandersetzung mit dem Ort und seiner Geschichte eingeladen. Zu dieser Geschichte gehört, dass hier der Weg jüdischer Herforder in den Tod begann.

"Abgeschlossen –Kunst im Zellentrakt" ist der Titel der Ausstellung.

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Mitten im Gang des Zellentrakts hat Weizenfeld mit Jägerzaun mehrere Quadratmeter Boden umzäunt. Der Zaun versperrt den Weg. Für den Künstler ist er ein Symbol deutscher Ordnung, es steht für Ausgrenzung, Einfriedung – die Farbe, mit der er früher die Gitter streichen musste, war giftig.

Weizenfeld hat in einer Zelle sein Triptychon "Darkroom" angeordnet, bedrohliche Verformungen, Mutationen – Skizzen von beeindruckender Kraft.

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Am Ende des Gangs hat Jürgen Heckmanns zwei Papierwände aufgestellt ‚ empfindliche Werke, leicht vibrierend, vergänglich wie die Erinnerung. Darauf projiziert er das Wort Holocaust, das unregelmäßig erscheint, verschwindet, verweht, "wie etwas, das man nicht los wird", sagt der Künstler.

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"Game over" nennt der Herforder Bildhauer Wolfgang Baumann eine Plastik, die an einen Terminator aus dem Computerspiel erinnert, gesichtslos, zerrissen, aufgeladen mit einer Kraft, die ins Leere geht.

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Jürgen Escher und Hans Fleischner

Aus Wien angereist ist der jüdische Künstler Hans Fleischner. Sein Kontakt zu Herford entstand durch eine Begegnung mit dem Herforder Udo Holtkamp an einem Mahnmal für den Philosophen Walter Benjamin im spanischen Portbou.

Fleischner hat seine eigene Familiengeschichte verarbeitet. Die Großeltern starben im Lager, seinen Eltern, die im österreichischen Widerstand gearbeitet hatten, gelang die Flucht ins englische Exil. Fleischner provoziert mit T-Shirts, die Aufschriften tragen wie "Juden raus ?!"

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Jürgen Escher nimmt die Betrachter mit an einen Ort, der für einige Inhaftierte des Zellentrakts Endpunkt war: Auschwitz. Er zeigt vier Fotos, eines davon erst vorletzte Woche aufgenommen: Eine verwelkte gelbe Rose am Stacheldraht, der Schatten eines Besuchers auf einem Großgemälde, zufällige, nur vermeintlich beiläufige Szenen.

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Weizenfeld

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Wolfgang Baumann, links

 

Text in Neue Westfälische. Lokalteil Herford. 19/20.3.2011
Die Künstler und Ihre Werke:

Wolfgang Baumann,
1955 geboren in Bad Oeynhausen
1985 - 1991 Studium der Bildhauerei in Bielefeld bei Prof. Richard Hess
1989 Kulturpreis des Kreises Herford für Bildhauerei
Seitdem regionale Ausstellungen und Beteiligungen
Lebt und arbeitet in Herford 
Grube, Bronze
Game Over, Gips
kleiner Mord, Blei
Gruppe, Bronze 
Jürgen Escher,
geboren 1953 in Herford, studierte von 1977 - 1983 Fotografie an der Fachhochschule in Bielefeld.
Seit 1983 ist er als freier Fotograf und Designer für verschiedene Organisationen, Verlage und Redaktionen tätig.
Jürgen Escher ist Autor diverser Buchpublikationen.
Seine Fotoarbeiten sind in vielen Einzel- und Sammelausstellungen im In- und Ausland zu sehen. 
Erinnern Ermöglichen
4 Fotografien 59 x 89 cm, Fine Art Print, Baryt-Papier
Gedenkstätte und Museum Auschwitz-Birkenau, Polen 2010/2011
Waisenkind Nr. 615
Halt!
Gelbe Rose
Schatten  
Hans Fleischner,
1948 geboren in Wien
1964 Fotokolleg, Wien, bis 1967
1968 New York, Chicago, bis 1971
1975 Tokyo, bis 1995
1995 Wien, bis heute 
Fotografien, Statements und Texte
auf Papier und T-Shirts aus den
Ausstellungen zum Thema Holocaust: 
Zellentrakt, Sala Walter Benjamin, 2009 Portbou.
Walter Benjamin Mahnmal in Portbou, 2008 Portbou, 2010 Wien.
Fotocollage, November Pogrom 1938 (Kristallnacht), 2008 Wien.
Steine der Erinnerung, Markus Fleischner, 2010 Wien. 
Jürgen Heckmanns,
1939 Geboren in Mülheim a. d. Ruhr
1959 - 1969 Studium der Philosophie, Germanistik, Kunst und Geografie (Freiburg, Kassel, Aachen)
1969 - 1973 Lehrer am Gymnasium Krefeld
1973 - 1979 Dozent an der GHS Duisburg
1980 - 2003 Dozent an der Universität Bielefeld
2003 Professor h.c.
Aktuelle und vergangene Ausstellungen: www.juergenheckmanns.de  
Zwei große plastisch geformte Wände aus Papier bewegen sich sanft bei jedem Luftzug. Ein Diaapparat mit einem Dia, auf dem „Holocaust“ geschrieben ist, bestrahlt die Wand. Durch eine sich bewegende Blende vor der Linse des Apparats werden entweder Teile des Wortes Holocaust in die plastische Wand „eingeschrieben“, einzelne Buchstaben, ein Schwarz oder das ganze Wort.  
Die Installation lässt Erinnern, Bruchstücke von Erinnern und Vergessen zu. 
Weizenfeld,
1952 als Bernd Weitkamp in Herford geboren
1973 - 1979 Studium der freien Malerei an der Werkkunstschule Köln als Schüler von Karl Marx und Jürgen Klauke
1978 - 1983 Gitarrist der deutsch-englischenPunkband „Aheads“. Konzerte mit den „Dead Kennedys“, „Slime“ und „Fehlfarben“
Seit 1976 Ausstellungstätigkeit als Maler und Bildhauer
Seit 1994 nennt er sich „Weizenfeld“
Lebt und arbeitet in Herford 
Darkroom, Tryptichon, 2009
Heimat, Jägerzaun, 2011