Jörg Boström

Sigmar Polke - Eine Hommage. Bilanz einer Künstlerfreundschaft Polke/Staeck

Ausstellung in der Akademie der Künste Berlin vom 14.Januar bis 13.März 2011

Ein Halbes Jahr nach dem Tod des Künstlers zeigt Klaus Staeck den politischen und öffentlichen Polke. Er zeigt Arbeiten aus seinem privaten Archiv und dokumentiert seine über 40 Jahre währende Arbeitsfreundschaft mit Sigmar Polke.

Klaus Staeck "Jeder, der Polke kannte, weiß, dass es nicht ganz einfach war, sich mit ihm zu verabreden und ihn zu treffen. Das ging auch mir nicht anders. Besonders innig kommunizierten später unser beider Faxgeräte. Ich habe weit über hundert Faxe aufbewahrt, in denen ich um einen dringenden Signier- oder Gesprächstermin bat. Wenn er gelegentlich einmal zurückrief, war die Freude groß; kam es dann gar zu einem Treffen, dauerte es meist viele Stunden und wurde immer zu einem kleinen Fest voller Heiterkeit und ironischem Schlagabtausch. Über eines dieser Signiergespräche existiert eine Tonbandaufzeichnung."

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Klaus Staeck schildert Beginn und Fortsetzung seiner Kontakte zu Sigmar Polke. Er war auch als dessen Verleger aktiv und konnte auch in der frühen Phase Auflagen von Polkes Grafiken publizieren. Die Ausstellung zeigt eine Fülle dieser Zusammenarbeit. Zugleich bereichern Fotoserien aus Polkes Atelier die Ausstellung. Hier kommt der Betrachter in die Nähe der kreativen Phasen. Mit dem Aufbruch aus der Düsseldorfer Zeit beginnt die Kunst eine Verbindung von Fotografie, Druckgrafik, Material Collagen und überarbeiteten Skizzen und informellen Bildstrukturen. Polke gestaltet auch in großformatigen Bildern eine eigene Welt von Bilderrätseln und Rätselbildern, welche fast immer auch eine heitere Anmutung der Persiflage und des gebrauchten und anscheinend auch missbrauchten Zufall haben. Informel konkret und im Wechselspiel der Medien.

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Klaus Staeck schildert aus persönlicher Erfahrung auch wirtschaftlich Probleme der jungen Avantgarde, zu der er auch mit seinen politischen Montagen und seiner "Firma" gehörte:

"Joseph Beuys war als erster bereit zur solidarischen Unterstützung, er stellte eine Auflage seines Multiples eine mit Schwefel überzogene Zinkkiste (tamponierte Ecke) für den Schuldenabbau zur Verfügung. Das war der Beginn einer Objekte-Reihe ... mit Arbeiten von Beuys, Filliou, Rinke, Roth, Spoerri, Staeck, Uecker und Weseler. Die "Kartoffelmaschine", wie wir das Gestell im Laufe der Zeit nur noch nannten, fand zum Preis von 290.- DM anfangs kaum Käufer, inzwischen wird sie bei Auktionen zu Höchstpreisen versteigert."

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Zwei Zuschauer als schwarze Schatten betrachten die rätselhafte Maschine der kreisenden Kartoffeln.

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Ein Musiker huldigt mit einer Posaune dem ausstellenden und verstorbenen Künstler sowie der lebendigen Präsentation eines persönlichen Teils aus dem Werk von Sigmar Polke in der Akademie der Künste.

 

 

Zur Erinnerung und Ergänzung unabhängig von der Ausstellung Fotografien aus der Zeit Sigmar Polkes als Student an der Kunstakademie Düsseldorf.

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Sigmar Polke 1969 als Student bei Joseph Beuys. Auf diesem Foto beim Aufbau des Zeltes vor der Kunstakademie Düsseldorf. Bildmitte

rechts mit Reiner Ruthenbeck

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Lidl-Arbeitswoche.Kunstakademie Düsseldorf

...Seit Monaten sorgte eine von studentischer Seite betriebene Opposition gegen die Lehrpraxis an der Düsseldorfer Akademie für Unruhe. Angeregt durch Joseph Beuys, der seit 1961 eine Professur für Bildhauerei innehatte, entwickelten Studenten im Umfeld seiner Akademieklasse ein Kräftemessen mit der Akademieleitung, das im Mai 1969 schließlich eskalierte. Lidl, eine von den Kunststudenten Chris Reinecke und Jörg Immendorff gegründete offene Gruppe, hatte im Dezember 1968 die Lidl-Akademie ausgerufen, mit der man teils provokant teils ironisch-banalisierend eine Gegenposition zur bestehenden Institution beschrieb. Als am 5. Mai eine Lidl-Arbeitswoche mit auswärtigen Gästen beginnen sollte, untersagte Akademiedirektor Eduard Trier, die Veranstaltung in Räumen der Akademie stattfinden zu lassen. Nach mehrfachen erfolglosen Aufforderungen an Lidl, das Gebäude zu verlassen, wurde die Polizei eingeschaltet und die Akademie (gewaltlos) geräumt. Das Kultusministerium ordnete eine Schließung der Akademie vom 7. bis zum 12. Mai an. Die Lidl-Arbeitswoche wurde daraufhin auf dem Bürgersteig und der Straße vor dem Akademieeingang veranstaltet.

 

Renate Buschmann in "Zeitsprung" S. 133

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