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Virtuelles Magazin 2000

 


Annette Bültmann

Wetterbericht

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Über das Wetter zu reden, wird gerne als angenehmes Konversationsthema betrachtet, passend für fast alle Gelegenheiten und Gesprächspartner, immer wieder aktuell, weil es sich ständig ändert, das typische Smalltalk-Thema, besonders beliebt bei den Briten, von denen laut einer kürzlich durchgeführten Studie jeder in seinem Leben 6 Monate lang über das Wetter redet. Dazu kommt heute die Möglichkeit, über das Klima zu diskutieren. Den Klimawandel zum Thema zu machen mit Hilfe von Statistiken und Messdaten, und sich mit Wettersystemen und ihren Regelmäßigkeiten, z.B. globalen Hoch- und Tiefdruckgürteln, und möglichen Anomalien zu befassen.

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Es lässt sich dann feststellen, dass die Prozesse, die das Wetter bestimmen, doch manchmal komplizierter sind, als man es vom Wetter Smalltalk her kennt.
Die Erde ist umgeben von Klimazonen, Hoch- und Tiefdruckgürteln, zwischen denen Luftmassen zirkulieren, regional wirksamen Klimasystemen, bekannt durch z.B. die Passatwinde, und in noch nicht genau ermittelbaren Zeiträumen auftretenden Phänomenen, die eher als Anomalie betrachtet werden, sich aber weltweit auswirken können, wie El Nino.
Auch in Europa lassen sich Klimasysteme und ihre Regelmäßigkeiten und Unregelmäßigkeiten beobachten, z.B. die nordatlantische Oszillation, ein Wettersystem, das das Klima in Europa vor allem im Winter beeinflusst. Sie entsteht durch Druckunterschiede zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch.
Das Islandtief ist ein Gebiet mit besonders niedrigem Luftdruck innerhalb der subpolaren Tiefdruckrinne, ein meist über Island entstehendes Tiefdruckgebiet, das im Sommer in Richtung Grönland wandert, im Winter meist über das europäische Nordmeer.

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Im Gegensatz dazu entsteht über den Azoren innerhalb des subtropischen Hochdruckgürtels meist ein ausgeprägtes Hochdruckgebiet, das sich manchmal bis über Europa ausbreitet.
Die Lage und Ausprägung von Islandtief und Azorenhoch ändern sich nicht nur mit den Jahreszeiten, sondern sind Schwankungen unterworfen, die als Nordatlantische Oszillation bezeichnet werden.
Der Gegensatz zwischen Islandtief und Azorenhoch bewirkt, wenn die Druckunterschiede gut ausgeprägt sind (In diesem Fall spricht man von einem positiven NAO Index) durch warme Luftströmungen vom Ozean auf das europäische Festland hier einen relativ warmen und nassen Winter. Im Mittelmeerraum ist dann der Winter relativ kühl und trocken.
Wenn der Druckunterschied gering ausgeprägt ist, bei einem negativen NAO Index, bringen die Winde warme und feuchte Luft in den Mittelmeerraum, während der Winter im nördlicheren Teil Europas kälter und trockener wird.
Wie und warum die Phasen der nordatlantischen Oszillation sich im Verlauf von Jahren oder Jahrzehnten abwechseln, ist noch nicht völlig geklärt.
Seit einiger Zeit wird auch die Arktische Oszillation untersucht, die sich zwischen der Polarregion und den gemäßigten Breiten bewegt, und, ähnlich wie die nordatlantische Oszillation, in der positiven Phase warme Meeresluft nach Nordeuropa bringt, während in einer negativen Phase kalte Polarluft das Klima bestimmt.

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Im vergangenen Winter tauchte in Internet-Blogs das Stichwort "Golfstromanomalie" auf, als Erklärungsversuch für die relativ starken Kälteeinbrüche und generell niedrigen Temperaturen dieses Winters. Handelt es sich um eins der im Internet gerne kursierenden Gerüchte, oder ist etwas dran an der Golfstromanomalie?
Eine mögliche Ablenkung des Golfstroms durch den Klimawandel wurde bereits in den 70er Jahren diskutiert.
Auch in den letzten Jahren gab es mehrfach Warnungen, so 2005 von Britischen Forschern vom National Oceaonography Centre in Southampton. Ein NASA-Wissenschaftler wiederum kam mit Hilfe von Satellitendaten und Roboterbojen zu dem Ergebnis, der Golfstrom habe sich trotz Klimawandel leicht verstärkt, und wäre dann von 2002 bis 2009 konstant geblieben. Ein anderer Klimawissenschaftler aus den USA hält den Golfstrom für weniger wichtig für das europäische Wetter, als vielmehr den Westwind vom atlantischen Ozean, der Warmluft mit sich bringt.
Fest steht, dass das Klima in Europa, besonders an den Küsten von Irland, Großbritannien, Schottland und Norwegen, erheblich milder ist als z.B. das Klima auf demselben Breitengrad in Kanada. An den Küsten Europas verläuft der Nordatlantikstrom.

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Der Nordatlantikstrom ist die Fortsetzung des Golfstroms, die an Irland, Großbritannien und Skandinavien vorbeiführt und sich als Norwegischer Strom bis nach Spitzbergen fortsetzt. Während die Strömung im Bereich des Golfstroms hauptsächlich durch Wind angetrieben wird, ist die nordatlantische Strömung durch die "thermohaline Zirkulation" beeinflusst, die im Atlantik durch Dichteunterschiede des Wassers entsteht. Während das Oberflächenwasser relativ warm und salzig ist, strömt es nach Norden, wo es absinkt und sich abkühlt. Die kühle Tiefenströmung fliesst dann nach Süden bis sie zum Zirkumpolarstrom wird, der um die Antarktis herum Wassermassen in östlicher Richtung befördert. Das Wasser strömt von dort aus wieder an die Oberfläche und wärmt sich auf, an Indonesien vorbei, um die Südspitze Afrikas herum bis zur Golfregion und von dort aus als Golfstrom in Richtung Europa.
Durch die warme Meeresströmung gibt es in Europa relativ weit nördlich gelegene Gegenden mit mildem Klima, wie z.B. den Ort Plockton im schottischen Hochland, in dem durch Einfluss des Nordatlantikstroms und durch die windgeschützte Lage palmenähnliche, ursprünglich aus Neuseeland stammende Cabbage Trees der Art Cordyline australis wachsen. Die Dorfstraße mit den meterhohen palmenartigen Pflanzen ist quasi das Wahrzeichen des Ortes, und gleichzeitig ein deutlich sichtbares Zeichen des Nordatlantikstroms.

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Ob nun negative nordatlantische Oszillation oder Golfstromanomalie, fest steht dass der Winter doch relativ lang und kalt war, auch in Plockton.


Einige Links zum Thema Wetter:

http://www.atmosphere.mpg.de/enid/1__Ozeane_und_Klima/-_Nordatlantische_Oszillation_2ru.html
http://www.diercke.de/kartenansicht.xtp?artId=978-3-14-100700-8&seite=232&id=5251&kartennr=2
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,685821,00.html
http://en.wikipedia.org/wiki/Plockton

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