Zum InhaltsverzeichnisVirtuelles Magazin 2000 

Roland Nagel, Thomas Bachler, Marisa Rosato

Begegnung

Wie haben die drei Fotografen zusammen gefunden? Roland Nagel wollte bei Thomas Bachler einen Kurs zur Camera obscura belegen. Man traf sich und so ist der Kontakt entstanden. Da sich Roland Nagel beruflich mit der Wirkung von Chemikalien auf aquatische Ökosysteme beschäftigt, suchte er mit Google nach Marisa cornuarietis. Durch diese Suche gelangte er auf die Seite von Marisa Rosato und war beeindruckt von ihren Arbeiten. Von passing by war er wie elektrisiert, suchte das Gespräch und machte Marisa Rosato auf die Arbeiten bon voyage von Thomas Bachler aufmerksam. Später entdeckte man im Unterschied Parallelen. Die Idee einer Zusammenarbeit entstand und erhielt ihren Ausdruck in dem von Roland Nagel gewählten Titel:

Stadt, Land, Fluchtpunkt.

"Die zu klärende Streitfrage ist die, dass wir das Abbild dessen liefern, was wir sehen, und dabei doch alles vergessen, was vor uns in Erscheinung getreten ist", schreibt der Maler Cézanne. Diese Fotografien folgen auf erstaunliche Weise dieser Intention. Denn es ist nicht einfach, sie zu betrachten. Man muss sich von ihnen entfernen, um sie mit dem Auge fassen zu können. So wird Flüchtiges wieder fassbar in seinen Farben und Formen."

Roland Nagel
Bahnfahrt - Bilder mit der Camera obscura, 2006/2007

Man muss sich beeilen", schrieb der Maler Paul Cézanne im Jahr 1906 in einem Brief an seinen Sohn, "wenn man noch etwas sehen will. Alles verschwindet." Einhundert Jahre später fuhr Roland Nagel mit Zügen durch Deutschland, im Gepäck eine Camera obscura. Für Roland Nagel, als gelernter Eisenbahner, hat das Zugreisen an Faszination nicht verloren. Mit der Kamera versucht er zu fangen, was er sieht: Eben jenes Flüchtige, Unscharfe, was den Eindruck von impressionistischer Malerei noch verstärkt.

LD - DD, 2006-09-05, 9.56
45 x 30 cm, 70 x 46 cm, K3 Pigmentdruck

DD - BN, 2006-11-30, 10.29
45 x 30 cm, 70 x 46 cm, K3 Pigmentdruck

DD - ZW, 2006-09-02, 14.08
45 x 30 cm, 70 x 46 cm , K3 Pigmentdruck

Thomas Bachler
bon voyage, 1998

"Autofahren einfach möglichst weit weg", sagt Bachler. Das Fahrtziel ist dabei der Fluchtpunkt, der sich konsequent dem Erreichen entzieht. Die Camera obscura, als Beifahrerin, dokumentiert das Geschehen. Nicht die Dokumentationsstrategie der Fotografie ist das Ziel. Thomas Bachler geht es um Wahrnehmung mittels fotografischer Verfahren, um Bilder die latente Zustände sammeln und auf ungewohnte Weise abbilden.

ohne Titel
aus der Serie "bon voyage"
150 x 100 cm (S/W Negativ)

ohne Titel
aus der Serie "bon voyage"
150 x 100 cm (S/W Negativ)

ohne Titel
aus der Serie "bon voyage"
150 x 100 cm (S/W Negativ)

Marisa Rosato
passing by (beautiful time), 2006

Marisa Rosato zeigt vorbeiziehende Landschaften und hat dabei die Vergänglichkeit im Sinn. Zeit bleibt stehen und wird sichtbar. Deshalb spüren wir die Flüchtigkeit des Augenblicks umso stärker. In ihren Bildern wird der Moment zur "Ewigkeit" und der vorbeiziehenden Zeit ein ästhetisches Denkmal gesetzt.

passing by (beautiful time) no.1
c-print in plexiglass, 116 x 66 cm

passing by (beautiful time) no.2
c-print in plexiglass, 116 x 66 cm

passing by (beautiful time) no.4
c-print in plexiglass, 116 x 66 cm

Vita



Marisa Rosato
1967 geboren in Gütersloh
Von 1994 bis 2000 studierte Marisa Rosato an der Fachhochschule Bielefeld. Seit 2001 arbeitet sie als unabhängige Fotografin und Künstlerin. Im selben Jahre wurde ihre Arbeit Fragment durch Jan Hoet für die Sammlung des Museum MARTa Herford angekauft.
2001 Canon Digital Creators Contest in Tokio,
Special Merit Award
1. Preis Herforder Kunstpreis
2004 Ausgezeichnet beim Canon Profashional
Photo Award,
Ausgezeichnet beim Druckerei-Seltmann
Werbefotopreis
Ausstellungen im In- und Ausland u.a. Städtische Galerie Lüdenscheidt; Kunstverein Gütersloh; Galerie "Wasserturm" Nahariya (Israel); Canon Salon Tokio (Japan); Museum MARTa Herford, Kunsthalle Bielefeld;
Öffentliche Sammlung Museum MARTa Herford
www.marisarosato.de



Thomas Bachler
1961: geboren in Detmold
1983-1989: Studium "Visuelle Kommunikation" an der Hbk Kassel
1985: Organisation des 1. Lochkamerakongresses in Deutschland
ab 1990: Lehraufträge u.a. Goethe-Institut, Fachhochschule für Gestaltung in Würzburg, HbK Braunschweig, Kunstakademie Dresden, Hochschule Liechtenstein, Universität Brisbane und Hobart (Australien)
2000-2002: Gastprofessur an der HbK Kassel
Ausstellungen im In- und Ausland.
lebt und arbeitet seit 2004 in Dresden
Schwerpunkt der künstlerischen Arbeit:
Fotografie, Fotogramm, Camera obscura Fotografie, Künstlerbücher
Mitgliedschaft:
Deutscher Künstlerbund e.V.
Deutsche Fotografische Akademie
www.thomasbachler.de



Roland Nagel
1944 geboren in Reimswaldau/Schlesien
1951 - 1971 Eisenbahner in Rheinland-Pfalz
1972 - 1978 Biologiestudium, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
1981 - 1989 Promotion / Venia legendi Zoologie
1990 Hochschuldozent
1994 Universitätsprofessor, TU Dresden
Ausstellungen:
2003 L´Villa, Dresden, Spektrum; 2004 GALERIE atelier königshof, Sommerausstellung; 2004 L´Villa, Dresden, Spektrum II; 2005 Kunst im Fliegerhorst, Erding, Ausstellung von 9 Dresdener Künstlern
Einzel:
2006 Insbesondere, Dresden, "weiblich"; 2007 Atelier Thomas Bachler, Dresden "Bahnfahrt-Bilder mit der Camera obscura"; 2008 Starke Fotografen, Dresden, "HAZWEIOH"; 2008 Kunst im Akademiehotel, Dresden, "Leisten, Silber, Filz und Tuch"
www.roland-nagel-pictures.de