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Lieselotte Sauer-Kaulbach
 
Markus Rederts Bilder der Nacht.
 
Künstler macht seine Bilder, wenn kaum noch natürliches Licht da ist - Auch in der Region Koblenz - Ausstellung in der Kunsthalle

Er ist der Lichtbildner der Nacht: Markus Redert macht seine Fotos, wenn der Tag gegangen ist. Unwirklich sehen seine Landschaftsportraits manchmal aus, die zum Teil in der Region Koblenz entstehen, zum Teil in Neuseeland. Jetzt sind sie in der Kunsthalle Koblenz zu sehen.

KOBLENZ. Mit Stadtlandschaften fing es an, in denen Leuchtreklamen, Straßenbeleuchtungen, Autoscheinwerfer natürlicher- respektive künstlicherweise die Nacht schon zum Tage machen. In seinen neuesten Arbeiten, die jetzt erstmals in einer Einzelausstellung in der Kunsthalle Koblenz gezeigt werden, geht der in Engers lebende Fotograf Markus Redert nicht nur in die Natur, sondern noch einen Schritt darüber hinaus.

Zuvor nutzte er noch durch Langzeit- und Mehrfachbelichtungen die vorhandenen Lichtquellen. Er reduzierte und abstrahierte sie zu die Dunkelheit durchschneidenden, flirrenden Lichtblitzen und -strahlen - dem gestischen Pinselstrich informeller Malerei gleich. Jetzt bringt der Künstler, der 1967 in Nastätten auf einem Bauernhof und weit weg von 'aller Kunst und Fotografie' geboren wurde, selbst das Licht in Form von Handscheinwerfern in die Dunkelheit der Felder und Wälder in der Region Koblenz oder auch des neuseeländischen Urwalds.

Licht, mit dem er Bilder, die er zuvor am Tag sorgfältig ausgewählt hat, aus der Natur ausschneidet, während die Kamera wiederum unter extrem langen Belichtungszeiten die solchermaßen fast theatralisch inszenierten Ansichten festhält. Reales, mehr oder minder grell erhellt, erscheint überdeutlich und seltsam surreal zugleich. Bäume recken gespenstisch düster ihre Zweige gegen einen tiefblauen Himmel. Dickichte werden zum gestochen klaren, jedes Ästchen und Blättchen nachzeichnenden und doch beängstigend labyrinthischen Gewirr. Bereifte Blütendolden beherrschen filigran und monumental den Vordergrund der betont grafischen Bildkompositionen.
Nicht nur in ihnen offenbart Redert, der zunächst in einem Koblenzer Studio Werbefotografie lernte, bevor er bis 2001 Visuelle Kommunikation und Fotodesign in Bielefeld studierte, ein unübersehbares Faible für Romantik, die aus dem Eintauchen in die Nacht, über den fotografischen Reiz hinaus, eine Entdeckungsreisein die eigene Psyche macht.
"Gerade das Arbeiten in der teilweise noch kaum berührten Natur Neuseelands hatte etwas von der ersehnten Rückkehr ins Paradies, das dem auf seine eigenen winzigen Dimensionen zurück geführten Menschen allerdings auch Schrecken einflößen kann", kommentiert Markus Redert selbst.

Das Thema beschäftigt ihn schon länger, auch in seiner Diplomarbeit, für die er verlassene, von der Natur zurückeroberte Goldgräbercamps im australischen Outback fotografierte. Die Spuren, die er selbst in der Natur hinterlässt, sind nicht nur an sich schon vergänglich, sondern erheblich subtiler. Es sind Spuren aus überlegt eingesetztem Licht, das Dunkelheit nicht völlig aufhebt und doch Vorhandenes eigentümlich irritierend leuchten lässt - erst recht dann, wenn die Fotos, wie es Markus Redert gerne tut, als Leuchtkästen montiert und sie so in Wandobjekte verwandelt werden. Da wird Fotografie gleich in mehrfacher Hinsicht zur wirklichen Lichtbildnerei.
Dass Redert diesen leicht in die Nähe zum Dekorativen tendierenden Effekt gar nicht braucht, demonstriert er unter anderem mit einer Reihe von Aufnahmen nächtlicher neuseeländischer Küstenlandschaften. Landschaften, an denen sich auch ein Caspar David Friedrich delektiert hätte, Bilder, in denen die Kamera rauschende Brandung gefrieren, das Licht Felskuppen doppelt schroff ins Irdisches und Himmlisches verbindende Türkis stechen lässt, Landschaftsfotografie, die alles Zeug zur theatralisch wirksamen Landschaftsinszenierung hat.
 
 
Die Ausstellung in der Kunsthalle Koblenz, Gymnasialstraße 9, ist bis zum 20. Januar zu sehen: dienstags bis freitags, 14 bis 19; samstags, 14 bis 16 Uhr.
 
Rheinzeitung, 05.01.07

www.markusredert.de