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Rolf Liccini

Mail Art

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Mail Art

Geschichte

Der Begriff Mail Art wurde 1971 von dem Kunstkritiker und Kurator Jean-Marc Poinsot geprägt, aber erst nach einem Artikel des Künstlers David Zack 1973 in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift Art in America im Mail-Art-Netzwerk selbst übernommen. Ihre Ursprünge liegen jedoch im Dadaismus in der New York Correspondance School des Künstlers Ray Johnsons, einem Netzwerk künstlerischer Briefwechsel im Umfeld von Fluxus, Pop Art und der New Yorker Kunstszene. Johnson begründete die New York Correspondance School als ironisches Label für seine private Künstlerkorrespondenz bereits 1950. Ende der 1960er Jahre umfasste sie mehr als hundert Mitglieder, wuchs über New York hinaus und erhielt 1970 eine Gruppenausstellung im Whitney Museum of American Art. Fluxus-Künstler wie Ben Vautier, Wolf Vostell und Ken Friedman beteiligten ebenfalls an frühen Mail Art-Projekten.

Kunsthistorisch ist Mail Art jedoch nur kurz als bedeutend wahrgenommen worden. Ab 1970 differenzierte sich die Mail Art von der übrigen zeitgenössischen Kunst aus und brachte eigene Künstler hervor, die primär oder ausschließlich in ihrem Netzwerk arbeiteten. Dazu gehörte die kanadische Künstlergruppe General Idea, deren Zeitschrift FILE die Typographie der Zeitschrift LIFE imitierte, sowie die "Bay Area Dadaists" in San Francisco um Anna Banana und Bill Gaglione, deren Zeitschrift VILE wiederum auf FILE anspielte. Weitere nur Insidern bekannte Mail Art-Netzwerker sind Vittore Baroni, Guillermo Deisler, Henning Mittendorf, Chuck Welch, John Held Jr., Hans Rüedi Fricker, Birger Jesch, Lutz Wohlrab, Keiichi Nakamura, Shozo Shimamoto, Clemente Padin, Guy Bleus, Guido Vermeulen u.v.a. Ab Mitte der 1970er Jahre waren auch Performance-Künstler wie COUM Transmissions (später umbenannt in Throbbing Gristle) und Monte Cazazza im Mail Art-Netzwerk aktiv, die zu Begründern der Industrial Music wurden. In den 1980er Jahren ging der Neoismus aus der Mail Art hervor. Seit Beginn der 90er Jahre ist ein Schwerpunkt innerhalb der Mail-Art das gemeinsame Erstellen des an visueller Poesie im weitesten Sinne orientierten Künstlerbuchs (Künstlerbuch) und der Künstlerzeitschrift geworden. Herausgeber wie Hartmut Andryczuk, Guillermo Deisler, Vittore Baroni, Karl-Friedrich Hacker, Ryosuke Cohen und Francis van Maele u.a. dien(t)en hierbei als Schaltzentralen.

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