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Markus Redert

Nachtdschungel

Der Mensch unserer Zeit hat sich weit entfernt von seiner natürlichen Umwelt. Die Sehnsucht nach seiner verlorenen Herkunft treiben ihn dazu Orte aufzusuchen, die keine Spuren menschlichen Einflußes aufweisen. Hier findet er eine Ahnung von der verlorengegangenen Einheit mit der Natur.
Der Dschungel ist ein solcher magischer Ort, vermittelt er uns doch mit seiner Undurchdringlichkeit, Vielfalt und dem schöpferischen Chaos ein zentrales Moment der ungezügelten Kraft der Natur. Andererseits ist mit dem Erleben dieser Kraft auch ein Gefühl der Bedrohung verbunden. Man ist einer Natur ausgeliefert, die sich nicht beherschen und zähmen läßt, vermeintliche oder tatsächliche Gefahren lauern. Im selben Maße wie man sich tiefer hinein begibt, nimmt die gewohnte Sicherheit ab. Es ist die Gleichzeitigkeit dieser gegensätzlichen Gefühle, die die Faszination des Dschungels auf den Menschen ausmacht.

Die vorliegende Arbeit führt uns in das Chaos des Dschungels. Und sie zeigt ihn uns nachts. Die Verbindung des verbotenen, gefährlichen Ortes mit der Dunkelheit berührt Urängste und läßt Kindheitserinnerungen wach werden, die längst vergessen geglaubt worden sind. Das künstlich eingesetzte Licht verwandelt Baumstämme in Schrecken, Felsen in Lebewesen, Lianen in Schlangen, dahinter lauert in der Dunkelheit das Unbenennbare.

In der Übersteigerung der Bildwirkung durch dieses Bühnenlicht wird der Betrachter an einen Punkt geführt, an dem er erkennt, daß die Wildheit des Ortes in die berechnete Wirksamkeit einer Inszenierung übergeht. Inmitten dieser Kulisse wird uns klar: es ist nicht der Ort selbst, der diese wiedersprüchlichen Gefühle in uns weckt, sondern es sind die im Unbewußten des Menschen vorhandenen Urängste, die wir mit diesen Orten verbinden.  April 2006

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