Zum InhaltsverzeichnisVirtuelles Magazin 2000 

Gisela-Ethaner Schelble

Zur Utopie meiner künstlerischen Arbeit.

In meiner Utopie wähle ich nicht die Unerreichbarkeit, sondern die meiner Annahme nach- beste aller Eventualitäten, die nur noch nicht Wirklichkeit ist. Das heisst nicht, dass ich diese formal ausgestalte oder im Sinne einer Botschaft übermitteln will. Die Botschaft interessiert mich nicht. Vielmehr zeige ich Möglichkeiten der Wahrnehmung.

Generell beschäftige ich mich in meinen Arbeiten (Malerei, Photografie, Computergrafiken, Installation, Texte) mit der komplexen Beziehungsstruktur und deren wechselseitigen Spiegelung von Traum, Realität, Phantasie, Virtualität, Erfahrung und Utopie.

Ich sammle Eindrücke, mich beschäftigt die Gleichzeitigkeit und Interdependenz der Raum-Zeit-Sinneserfahrung. Mir geht es um die Erforschung, Überprüfung und Wahrnehmung all dieser verschiedenen Ebenen.

Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Entwürfe und Jagd nach narrativen Elementen, sowie der beabsichtigten Installation von Wirklichkeitstraumwelten verbinden sich zu einer Ideenwelt bestehend aus puren Gedanken und deren Vermischung mit Erfahrungszufälligkeiten. Die Kumulation, Trennung und Kombination des angesammelten Materials bilden die Grundlage für inhaltliche und formale Entscheidungen.

Mich interessieren Fragen, wann ist etwas richtig zu identifizieren, wann setzen assoziative Gedankengänge ein und wann ist es relevant zu differenzieren. Wie vielwertig kann wahrgenommen und wie multivalent kann ein Konzept, ein Gedanke, eine Idee, oder eine Manifestation davon betrachtet werden?

Wie vielwertig kann Wahrnehmung eingesetzt und in der Folge davon wie vielschichtig kann wahrgenommen werden.

Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Auf diesem Gebiet betreibe ich meine künstlerischen Fragestellungen und forsche durch meine Arbeit.

Um Entwicklung voranzutreiben , müssen Grenzen überschritten, Unmögliches in Betracht gezogen, Gedankengänge provoziert, initiiert und bewusst formale Entscheidungen getroffen werden. Dadurch bin ich vielleicht Grenzgängerin zwischen den Welten der Phantasie und äußerer Realität.

Ich will die Realität tatsächlich "besiegen", das heißt WANDELN.

Vielleicht bin ich deshalb der tatsächliche Realist, denn Realität ist der permanente Wandel. Von der Ortlosigkeit zum Ort transformieren. Auf der Suche nach dem Drüben, auf der Suche nach dem Anderen. Jenseits der Grenzen, über den Ozean, ins All oder einfach nebenan. Bisweilen zeigen meine Bilder einen Streifzug durch die Welt der süßen Träume und Phantasien, dem zuckrigen, klebrigen, süssen, dem "faden" oder "salzigen" Geschmack der alltäglichen Gegebenheiten und der Verknüpfung merkwürdiger Vorkommnisse von Jetzt bis zum nächsten Jetzt. Manchmal trifft das Diffuse, Weiche, Zarte, absichtsvoll das Harte und Grelle.

Dass mir auf dem Weg durch die Geschichte des Jetzt Rehe, Ufos und Alltagsaliens, eine Rose auf der Toilette und Zucker auf dem Boden einer Werktagsinstallation begegnen, liegt daran, dass im Folgenden zwischen Alltag, normalen Abläufen, Utopie, Fantasy und deren Metamorphose nicht getrennt wird. Utopien existieren simultan beziehungslos zur historischen Wirklichkeit und bezogen auf sie. Jede Utopie ist aktiv.

Willkommen in den Anderswelten.