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Klaus Nolte
 
Steintreppen-Bilder
 
Ich hatte ja schon immer meine Probleme mit der christlichen Religion und mit der Kirche. Als ich 15 Jahre alt war, und in Herford zur Realschule ging, zogen wir plötzlich mit der ganzen Familie nach Frankreich, in die Vogesen. - Ich blieb vier Jahre, fuhr dann ein halbes Jahr nach Indien und ging dann nach Berlin. - Vorher war ich evangelisch, in Frankreich waren alle sehr katholisch - und in Berlin trat ich dann aus der Kirche aus.
 
Ich las viele Bücher über vergleichende Religionswissenschaften und Kunstgeschichte, weil ich mir meine eigene, hausgemachte Spiritualität zusammenbasteln wollte. - Das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, ein angefangenes Kunstgeschichte-Studium an der Freien Universität Berlin und eine weitere Indienreise kamen danach.
 
Also suche ich Spiritualität in Ethnologie und Kunst früher und heute, und erst in den späten Neunziger Jahren begann ich mit einer eigenen, ungeschickten Bilderproduktion. - Ich suche eine eigene Bildersprache zu entwickeln und stosse auf die vielen Symbole, solche die für Spiritualität stehen, faszinieren mich.

Da bietet sich der Buddha, als Symbol für Weisheit und Mitgefühl, natürlich an. - Durch die Beschäftigung mit Buddhabildern in der Kunst kam ich zu japanischen Holzschnitten. So machte ich in Herford einen Kurs "Kaltnadel-Radierungen", übertrug mein neues, grafisches Miniwissen auf die Holzschnitttechnik und kam zum Symbol des Pilgers. - Viele Bücher über Höhlenmalerei, über Ethnologie und Anthropologie folgten und ich entdeckte das Tier. - ( Tiere als spirituelle Symbole ganz allgemein)
 
Seit 2 Jahren bin ich jetzt wieder in Berlin, davor die: 2-Jahre-Herford-Episode ( Geburtsstadt) - Jetzt wollte ich weg von den Holzschnitten, hin zu Acryl/ Tusche, leichte und mobile Technik, auch für "outdoor" ausprobieren. - So entstanden die Steintreppen-Bilder letztes Jahr im Sommer, parallel zu meinem "Holzschnitt auf Leporello Projekt"
 
Bei den Totems fasziniert mich, daß sie eine Art "Schutzgeist" darstellen. - ( Der Schutzgeist eines Menschen, bzw. sein Zweites Ich wird Totem genannt, nord-amerikanisch ). - Toll. - Schutz kann ja jeder gut gebrauchen, also wären viele fröhlich lächelnde/ grinsende Totems ganz gut als oft auftauchender Bildinhalt. - Dann schützen meine Arbeiten vielleicht vor bösen Geistern oder Stimmungen.

Bei den Tieren orientiere ich mich an positiv spirituell besetzten Tieren, die mich auch selbst faszinieren, und als Totemtier geeignet sind irgendwie. - Eulen, Käfer, Eidechsen, stilisierte Vögel, Schildkröten...
 
Eine langsame Suche, eine allmähliche Entwicklung, mir wird immer wieder mein Unwissen klar, als Stadtmensch habe ich wenig Ahnung von Tieren/ Pflanzen. - Gerne lese ich dann in Büchern über Zen-Buddhismus, das soll meine Suche begleiten und mich an die einfachen Wahrheiten erinnern.
 
Die Frage nach den Inhalten bei mir ist also spirituell zu sehen.
 
In der Kunst gibt es so viele ästhetische, und politisch/ soziale Inhalte - da finde ich Spiritualität, weltweite ganz gut.

Magie, Geist, Leben - und eine Ahnung des "Numinosen" - das möchte ich visualisieren. - Also nicht gegen Fundamentalismus ankämpfen, sondern sondern positive "Kraft-Symbole" suchen und zeigen, damit auf Wege freierer und selbstbestimmter Religion aufmerksam machen. - Dabei auch den Augenblick, die unmittelbare Gegenwart, wie beim japanischen Holzschnitt - Meister Hokusai.
 
Wirklich toll die Steintreppe im Park am Rathaus, dahabe ich im Sommer fast täglich gesessen, auf der untersten Stufe, es kamen manchmal Kinder, Ameisen, Käfer, Vögel, seltener Erwachsene zum Zusehen. - Für mich eine interessante Erfahrung. - Durch die Sonne trocknet alles schnell, das dicke Aquarellpapier sugt auch gut und schnell die Tusche und die Farbe auf, so brauche ich ca. eine Stunde pro Bild, jedes zweite ist brauchbar, viele auch daneben, einige sehr schön geworden. Das kann ich immer erst nach einer gewissen Zeit sehen. - Die Kombination aus der jeweiligen Tages-Situation im Park, immer an der gleichen Stelle - aber mit immer anderen Bildern im Kopf, im mitgebrachten Buch, oder direkt vor meinen Augen auf der Liegewiese ist immer anders, immer spannend. Das Resultat ist manchmal überraschend, hinterher.
 
Die "Bretter" sollen stilisierte Bäume sein, auf dem einen Bild, welche mit Menschen gibt es auch, ich habe sehr viele gemacht, immer 40x 50 oder 50 x 40 cm groß.

Weitere Bilder unter: www.g-a-l-e-r-i-e.de/kn.html