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Annette Bültmann

Smog über Seerosenteichen

Seerosenteiche waren ein beliebtes Motiv des Malers Claude Monet, der sie in seinem Garten in Giverny anlegen ließ.
Die Natur als Thema in der Kunst ist eins der ursprünglichsten, es fing an mit den Tierdarstellungen der Steinzeit, und möglicherweise spielte bereits bei diesen manchmal die Umweltproblematik eine Rolle - nicht immer wurden die Tiere abgebildet, die in den Umgebungen der Höhlen häufig vorkamen, sondern manchmal auch die eher seltenen, die nach und nach verschwindenden Tierarten, die im veränderten Klima heute nicht mehr existieren, wie Wollnashorn, Höhlenlöwe oder Mammut. Das beginnende Umweltbewusstsein der frühen Menschen vermischt sich mit der schamanischen Mythologie. Ganz ähnliche Themen bewegten im vergangenen Jahrhundert den Künstler Joseph Beuys, der sich schon als Kind für die Natur interessierte, in den Kriegsjahren durch eine Freundschaft mit Heinz Sielmann mehr darüber erfuhr, in späteren Jahren floss dieses Interesse in seine Kunst ein, in Aktionen wie "Eine Partei für Tiere" oder "Laßt Blumen sprechen", "7000 Eichen", "Coyote". Und Zeichnungen von Tieren wie Rentier, Hase, Schaf oder Hirsch verbinden Naturinteresse und Magie, passend zu den manchmal auch bizarr wirkenden Aktionen des Medienschamanen, der dem toten Hasen die Bilder erklärte.
Der Begriff "Land Art" oder "Earth Works" entstand in den sechziger Jahren für eine Kunstrichtung, die sich anfangs dem Kunstmarkt und den Museumsausstellungen widersetzte, wer Werke der Landschaftskunst bewundern wollte, musste sich in die Natur begeben, weil es oft keine Fotografien gab. Land Art bezieht die Landschaft mit ein in die Kunst, manchmal werden Materialien wie Steine oder Erde oder Blätter verwendet, um daraus Kunstwerke entstehen zu lassen, eine ähnliche, stärker umweltbezogene Kunstrichtung ist die Naturkunst oder "Environmental Art". Heute werden die meisten Arbeiten fotografisch dokumentiert, z.B. auch um Prozesse der Veränderung im Verlauf der Jahreszeiten, Tageszeiten, Wetterbedingungen etc. sichtbar zu machen.

Der Künstler HA Schult bereist seit 1996 die Welt mit seinen "Trash People", Skulpturen aus Müll, 1000 an der Zahl. Sie standen im Jahre 1999 in Paris und Moskau, 2001 in Peking und auf der chinesischen Mauer, und erinnerten dort an die Terrakotta-Armee des chinesischen Kaisers Qin Shi, in Ägypten standen sie 2002 vor Pyramiden und 2003 in Zermatt auf 2800 Metern Höhe, unterhalb des Matterhorns, und in Kilkenny Castle, Irland. 2004 in Gorleben war ein Teil der Schrottarmee auf der Strasse des Ortes Gedelitz bei Gorleben zu sehen, während der andere Teil unterirdisch untergebracht war in einem Schacht des Salzstocks, der als zukünftiges Endlager für Atommüll vorgesehen ist. 2005 waren sie in Brüssel, und weitere Reisen sind geplant.
Für HA Schult gehört es zu den Aufgaben der Kunst, Kommunikation herzustellen, die Trash People bezeichnet er als "unser aller Ebenbild".
Ein weiterer umweltengagierter Künstler war der Wiener Friedensreich Hundertwasser, der unter anderem eine Humus Toilette entwarf, die sich durch Wasserpflanzen selbst reinigt. Er entwarf Plakate zur Rettung der Wale und des Regenwaldes und erhielt mehrere Umweltpreise, wie 1974 in Neuseeland den Conservation Award und 1984 den internationalen Umweltschutzpreis. Seine Vorstellungen von naturnäherem Leben und organischen Formen machten sich durch unterschiedliche Aktionen bemerkbar, wie Ansprachen, die er nackt hielt, selbst gemachte individuelle Bekleidung, Protest gegen die Begradigung von Flüssen, Aktionen für die Erhaltung von natürlichen Landschaften, das Pflanzen von Bäumen in Häusern, und auch in der Malerei zeigen sich vielfältige pflanzlich wirkende Ornamente und organische Formen.

Schon vor Beginn der Epoche des eigentlichen Impressionismus waren Künstler aus der Stadt und den Ateliers aufs Land und in die Landschaft gegangen, um dort unter freiem Himmel zu malen, die so genannte Freiluftmalerei oder Pleinairmalerei kam auf in England, dann auch bei Paris im Wald von Fontainebleau in der Nähe des Ortes Barbizon, deshalb "Schule von Barbizon" genannt.
Monet prägte durch sein Bild "Impression, soleil levant" den Begriff Impressionismus, der anfangs abwertend von Kunstkritikern benutzt wurde, um den Malern eine auf den flüchtigen Augenblick gerichtete oder oberflächliche Arbeitsweise zu unterstellen. Zu dieser Zeit gab es in der Pariser Kunstschule verschiedene Richtungen, die die Linie, die Farbe, oder auch die Realitätsnähe in der Malerei in den Vordergrund stellten. Mit dem Impressionismus entstand eine neue Richtung, die die Veränderung von Landschaft und Lichtverhältnissen darstellt, persönliche Eindrücke in der Natur, fernab von Ateliers und künstlicher Beleuchtung, mit kurzen sichtbaren Pinselstrichen oder Tupfen, leuchtenden Farben und farbigen Schatten.
Sich verändernde Wetterbedingungen waren ebenfalls für die Künstler interessant, und Tageszeiten, Himmel und Wolken, Sonnenauf- und untergang, Reflexionen auf Wasseroberflächen. Nicht nur Seerosenteiche, sondern auch Blumenbeete, Bäume, Wolkenformationen die sich im Wasser spiegeln. Bevor Monet die Serien der Seerosenteiche in seinem Garten in Giverny begann, hatte er auf Reisen nach Motiven in der Landschaft gesucht, an der französischen Küste, in Italien, in Norwegen, Küstenlandschaften, Flusslandschaften, Felder, Heuhaufen.
Über die Seerosenbilder sagte er: "Diese Reflexlandschaften sind für mich zu einer Zwangssache geworden."

Die Seerosengewächse (Nymphaeaceae) werden seit Jahrtausenden in China und Japan kultiviert, und der indischen Lotos (Nelumbium) wird ebenfalls zu den Seerosengewächsen gezählt, auch wenn Blüten und Blätter weiter aus dem Wasser herausragen, manche Botaniker stellen seit einigen Jahren den indischen Lotos in eine eigene Familie, Nelumbonaceae. Der ägyptische Lotos und der afrikanische Tiger-Lotos gehören zu den Nymphaeaceae. In Europa gibt es eine weiß blühende Seerosen-Wildform, die Weiße Seerose (Nymphaea alba), in den Tropen auch andere Farbtöne. Inzwischen gibt es gezüchtete Seerosen in Gelb, verschiedenen Rottönen und sogar in Blau.

Mit dem Begriff Smog bezeichnet man verunreinigte Luft über Städten, in Zusammenhang mit bestimmten Wetterbedingungen. Sommersmog entsteht unter Sonneneinwirkung, Wintersmog entsteht unter Bedingungen, die den Luftaustausch zeitweise behindern, z.B. einer Inversionswetterlage, bei der sich warme Luft über einer kühleren Luftschicht befindet, in der sich dann hohe Schadstoffkonzentrationen ansammeln können.
Da haben wir den Smog: Schadstoffe aus Kraftwerken und Haushalten, Autoabgase und industrielle Emissionen, Russ, Nebel und Feinstaub. Dazu kommt ein erhöhter Kohlendioxidgehalt, außderdem können sich in der Smog-Luft Schwefeldioxid, Stickoxide, Wasserstoffperoxid, Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe, Ozon und diverse andere Stoffe befinden.
Seit Januar 2005 gibt es eine EU-Luftqualitätsrahmenrichtlinie für Russ und Feinstaub, deren Einhaltung zur Zeit in vielen städtischen Bereichen nicht gewährleistet ist. Nun wird über Maßnahmen zur Einhaltung gelegentlich diskutiert...