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Annette Bültmann

Auf der Suche nach der Kunst im Container

Ein Container war seit einiger Zeit an wechselnden Orten in Münster zu sehen, vor der Kunstakademie, und auf verschiedenen Plätzen in der Innenstadt. Zum ersten Mal bemerkte ich ihn beim Rundgang an der Kunstakademie am 6.2.2005 und rätselte, was wohl darin sein möchte...
Gehöre meist eher zu den späten Ausstellungsbesuchern, und der Container war schon geschlossen, ich las dann in der Zeitung, dass er eine Installation mit durch rotierende Scheiben projizierten, immer weiter verschwindenden Bildern beherbergen sollte. Dann sehe ich ihn wieder vor dem Stadthaus, und habe versucht, hineinzugelangen, auf der Suche nach Bildern, aber, wieder ein verschlossener Container... bin ich wieder zu spät dran?

Nein, diesmal ist es eine Ausstellung im Außenraum, wie man dann bei genauerem Hinschauen einem Aushang entnehmen kann, und so erklären sich dann auch die roten Fahnen vor dem Stadthaus, die in Zusammenhang mit dem Container auf die Kunst in der Innenstadt aufmerksam machen.

Anfang April vor dem Idunahochhaus am Servatiiplatz, nun öffnen sich zwar die Türen, aber nur um den Blick auf einen leeren Innenraum, der durch Glasscheiben vom Betrachter getrennt ist, freizugeben. Der Container zieht wohl schon wieder um, und wird neu gefüllt? Die Kunst, immer wieder rätselhaft, entzieht sich dem suchenden Betrachter durch Glasscheiben, Unsichtbarkeit oder verschlossene Türen; oder entzieht sie sich nur mir persönlich, als der Betrachterin, die immer zu spät kommt? Oder gilt für den Container: Leere erwünscht?
Ein Container ist etwas zum Transportieren, oder ist er der Rahmen für den leeren Raum, oder versteckt er etwas Unsichtbares?

Dann ist der Container auf dem Drubbel zu sehen, und nun findet sich doch etwas darin, wenn die Tür geöffnet wird, werden hinter den Glasscheiben Umrisse sichtbar, auf kleinen runden Tischen stehen scherenschnittartige Gebilde, ein tanzendes Paar, ein Hund, zwei Pinguine, im Hintergrund, im Dunkel des Containers, sind auf ähnlichen Tische Tassen, Blumen und ein überdimensionaler angebissener Apfel sichtbar. Das Arrangement erinnert an eine Teestunde, aber die Teilnehmer dieser Zeremonie sind nun vielleicht die verspäteten Ausstellungsbesucher, waren sie schon da oder werden sie noch auftauchen?

Am 29.4. schließlich tauchen dann zahlreiche Ausstellungsbesucher auf zur Abschlussveranstaltung der Container-Aktion, die vom Verein Freunde der Kunstakademie Münster e.V. veranstaltet wurde. Nun erfahre ich auch, dass die ausgestellte Arbeit von Tina Isabella Hild "Sonntag Nachmittag bei Fremden" heißt. Die auf den kleinen Tischen arrangierten Gegenstände bewirken einen gleichzeitigen Effekt von Anziehung und Abstoßung, wenn sie an die Dekorationen eines privaten Zimmers erinnern, gleichzeitig aber eine gewisse Absonderlichkeit das Gefühl der völligen Heimeligkeit verhindert. Dazu passend die trennende Glasscheibe, durch die die Besucher hineinschauen auf die Installation, und nah dran sind aber doch nicht drinnen in der Kammer die wohl an ein Wohnzimmer erinnert, gleichzeitig aber einen leichten Eindruck der Fremdartigkeit erweckt in der nüchternen Container-Atmosphäre.

Nun erfahre ich auch, dass die Installation vor dem Stadthaus "Alles in Rot" hieß, und dass weitere im Verlauf der Container-Aktion ausgestellte Arbeiten schon seit Dezember 2004 zu sehen waren, Installationen von Max Sudhues, Arturo Camus, Evelyn Ebert und Sebastian Walther, und dass ich wohl mal wieder vieles aber nicht alles verpasst habe... und dass man die Kunst immer wieder suchen und dann gelegentlich auch finden kann...

 

Fortsetzung folgt?