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Günter Zint
 
Bericht aus Sandbostel (STALAG X B)
 
Nachdem ich kürzlich den Roman "Herbst der Amateure" von Jürgen Petschull gelesen hatte, habe ich einen Spaziergang zu einem der Orte unternommen, die in dem Buch eine wichtige Rolle spielen. Ich fand, unter vom Eisregen gebeugten Bäumen, die trostlosen Baracken des ehemaligen Gefangenenlagers und zeitweiligen KZ Außenlagers Sandbostel.

Im Gebiet dieses idyllischen Moordorfes lag eines der größten deutschen Kriegsgefangenenlager, das STALAG X B. Über Eine Millionen Gefangene sind durch das Lager gegangen, Tausende darin umgekommen.
Um nicht wieder die unsägliche Zahlendebatte anzufachen, will ich mich hier auf keine Zahl festlegen. Tatsache ist, daß auf dem Gedenkfriedhof in Sandbostel mehrere zehntausend Tote liegen. In den letzten Kriegswochen wurde das Lager auch als Außenlager des KZ-Neuengamme genutzt. Auch Transporte für andere KZs, die wegen der Kriegslage nicht nach Süden durchkamen, wurden nach Sandbostel geleitet. Dokumentiert ist die Ankunft eines Zuges aus Bremen mit ca. 1000 Gefangenen. Die Hälfte hat den Transport nicht überlebt. Hunderte starben im Lager noch in den letzten Kriegswochen 1945. Grausame Einzelschicksale sind durch Dokumente belegt. Gefangene, die bei Bauern arbeiten mußten und dabei deutsche Mädchen kennen und lieben lernten, wurden kurzerhand hingerichtet. Durch die schlechten hygienischen Zustände waren aber Krankheiten und Seuchen die häufigste Todesursache.
Noch immer stehen mehr als ein Dutzend Baracken auf dem Lagergelände, daß heute teilweise gewerblich genutzt wird.
Seit einigen Jahren versucht ein Verein wenigsten einige der Baracken zu restaurieren und eine Gedenkstätte darin einzurichten.

Dokumente, Fotos und Gegenstände für eine eindrucksvolle Ausstellung sind reichlich vorhanden. Wenn man den Boden um das Lager absucht, oder die nebenliegenden Äcker nach dem Pflügen betrachtet, findet man immer noch massenweise Zeugnisse des Lagers: Schuhabsätze, Knöpfe, Geschirr, Scherben, Eßbestecke und viele andere Dinge kann man aufsammeln.

Dieses Fundstück, ein "Henkelmann", ist besonders interessant, denn der Besitzer ist in Italien ausfindig gemacht worden. Er ist jetzt über 80 Jahre alt und hat damals seinen Namen eingestichelt.

Einige der Baracken sind in einem derart maroden Zustand, daß sie die nächsten Monate nicht überstehen werden. Eine Baracke ist schon vom Wind in sich zusammengebrochen.
Wenn nicht sofort etwas geschieht, wird es in Kürze zu spät sein um noch etwas von der alten Substanz für die Gedenkstätte zu retten.

Der Verein DOKUMENTATIONS- & GEDENKSTÄTTE-SANDBOSTEL e.V. braucht dringend Unterstützung für die Realisierung einer Gedenkstätte "vor Ort".
Per Internet können Sie Kontakt aufnehmen unter www.dokumentationsstaette-sandbostel.de
Die Anschrift des Vereins ist : Großer Platz 4 in 27432 Bremervörde Tel: 04761-746858