Zum InhaltsverzeichnisVirtuelles Magazin 2000 

Joachim Schulz

“...du aus leere übervolle fülle...”

 

In der Serie "... du aus Leere übervolle Fülle ..." ist meine Photographie ohne Motiv. Das Objekt vor meiner Kamera verschwindet.
Verschwindet - wird übervoll durch Leere. Eine aus Leere übervolle Fülle.

Die Löcher sind nach Ringelnatz das Wichtigste am Sieb. Und genau so wie jedes einzelne Loch durch den vollen Teil des Siebs umrahmt und somit gebildet wird, rahmen Werbekästen ohne Inhalt Leere.

Sie gleichen Gefäßen der Leere, sind wie ein Medium ohne welches Leere in Unsichtbarkeit verharrt.

In dieser Serie habe ich jene Kästen photographiert, die dazu dienen ihren Inhalt, Produkte der Konsumgesellschaft, zu Werbezwecken optimal zu präsentieren. Häufig im Außenbereich von Geschäften, Kinos, Banken, Museen findet man diese Kuben mit eigener Beleuchtung, weltweit.

Einem Magneten gleich ziehen diese "eyecatcher" die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich; focussieren deren Blicke, brennen lupenhaft Produkte in ihr Bewusstsein.

Diese Ausstellungsflächen der Werbung habe ich in der Nacht photographiert - ohne feilgebotenes Produkt - dennoch hell erleuchtet: In ihrem Inneren bringen sie auf diese Weise Leere in den Brennpunkt der Aufmerksamkeit: In den Pausen der Fülle - Leere.

Zwei Wesenszüge der Leere habe ich besondere Augenmerk geschenkt:

Zum einen erscheinen die Photographien als illuminierte Kuben, geben einen Raum von unbestimmter Tiefe frei, scheinen magisch zu leuchten, ohne daß die Farbabzüge eigenes inneres Licht besitzen.

Auf der anderen Seite halte ich mit jedem Detail, jeder Nuance der Leere ihre Fülle fest: Staub an der Frontscheibe, Strukturen der verwendeten Materialien, Nachtinsekten ...

Die Informationsdichte habe ich so eng gezogen,daß sich der Blick des Betrachters im Strukturenreichtum verliert. Verloren in der Leere der Photographien.