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Marisa Rosato
 
Snapshots - Berlin Köln Herford
 
 
 
Messe
 
Ende August fand im Rahmen des Berliner Kunstherbstes die Alternativ Veranstaltung zur Art Berlin, die Berliner Liste, statt. Von den Massen und Medien weniger frequentiert als die Art Berlin und unter kostengünstigeren Ausstellungsmöglichkeiten, zeigte die Ausstellung jährlich Kunst aus unterschiedlichen Bereichen. Sehr zu empfehlen.
Infos unter: www.berliner-liste.org

Nostalgie
 
Am Rosenthaler Platz, Berlin-Mitte steht ein alter Passbildautomat. Der Photoautomat, Baujahr 1962, wurde von zwei Filmleuten aufgestellt. Für 2 Euro bekommt man Passbilder die man sonst nur aus Ausweisen der 70er Jahre kennt, s/w, sehr Kontrastreich und irgendwie sieht jeder aus wie auf einem Fahndungsfoto der RAF. Der Passbildautomat hat wechselnde Standorte. Ab dem 21.10. steht er im mittlerweile entkernten Palast der Republik. Während diverser Events kann man dann dort zur Erinnerung spaßige Passbildfotos machen lassen. Eine gute Idee.

www.photoautomat.de

Flick
 
Die Ausstellung mit dem größtem Publikumsecho ist die Flick-Collektion im Hamburger Bahnhof. Darf man mit geerbtem Vermögen das mithilfe von Zwangsarbeitern erwirtschaftet wurde Kunst einkaufen und sie in öffentlichen Sammlungen präsentieren? Ist die Sammlung eines von einigen als Steuerflüchtling bezeichneten Mäzenen kommentarlos zu präsentieren? Darf man Künstler in "Sippenhaft" nehmen, von denen Flick Werke gekauft hat? Flick bestand darauf dass die Ausstellung seinen Namen trägt. Auf eine begleitende Ausstellung zum 3. Reich wurde verzichtet. Der Kompromiss, eine im Eingangsbereich kostenlos bereitgelegte Zeitung, in der Kurator Eugen Blume zum Thema ein Gespräch mit Christian Flick führt.
Die Ausstellung ist sehenswert. Die Flick Collection zeigt bedeutende Exponate zeitgenössischer Künstler. Bruce Nauman, Martin Kippenberger, Pipilotta Rist oder Jürgen Tillmanns sind nur einige. Von manchen Künstlern ist Flick im Besitz so vieler Werke, dass kleinere Museen damit problemlos Einzelausstellungen arrangieren könnten. Es erscheint einem als wäre Flick in diverse Künstlerateliers gegangen und hätte mit dem Finger auf all das gezeigt was er haben möchte. Von diesen finanziellen Mitteln träumt jedes staatliche Museum.
 
www.hamburgerbahnhof.de
www.art-in-berlin.de

Mauer
 
Während unseres letzten Tages in Berlin staunten wir nicht schlecht als wir an der Kopenhagener Straße, Prenzlauer Berg, einen Arbeiter sahen, der Teile der Berliner Mauer aufbaute. Nicht aus Beton, sondern aus Styropor wie wir bei näherkommen erkannten.
Wir erfuhren dass wir in Vorbereitungen zu Dreharbeiten zum neuen Film von Dominik Graf geraten waren, der im Jahr 1961, im Jahr des Mauerbaus spielt.
 
Ein Teil der Straße wurde so arrangiert das sie aussah wie damals. Damit die Filmaufnahmen möglichst originalgetreu wirken, haben die Filmmitarbeiter Graffiti von Hauswänden entfernt und Litfasssäulen neu gestaltet. Die Häuser passen in die damalige Zeit, sie sind unsaniert. Anwohner wurden gebeten, moderne Gegenstände und Grünpflanzen von ihren Balkonen zu nehmen und keine Fahrräder und Mopeds vor den Häusern abzustellen. Der Film soll bereits im Dezember Premiere haben. Er heißt Der rote Kakadu.
 
Obwohl ich die Mauer selbst noch gesehen habe und seit der Wende gerade mal 15 Jahre vergangen sind, verblasst die Erinnerung. Besonders Touristen aus dem Ausland zeigen sich gelegentlich enttäuscht wenn sie in der Hauptstadt keine Mauerteile mehr vorfinden. Eine Initiative hat aktuell am früheren Berliner Kontrollpunkt Checkpoint Charlie - der Flaniermeile der Touristen, ein 120 Meter langes Stück der Berliner Mauer wieder aufgebaut.
 
Entlang der Zimmerstraße wurden zudem 120 weiß getünchte Mauerteile aufgestellt. Das Werk ist umstritten. Viele erinnert es zu sehr an das nahe gelegene Holocaust Museum. Berlin-Besucher schlendern nun an den neuen Mauerteilen entlang, genau das, was Touristen sehen wollen. So schnell wie die Mauer abgerissen und einige Teile davon ins Ausland verkauft wurden, so schnell ist man heute bemüht, die letzten Überreste zurück zu erwerben oder die Mauer notfalls selber wieder aufzubauen.

Adressen
 
Das erste Kino in Deutschland (Europa) das ausschließlich Dokumentarfilme zeigt. Das Dokumentar Film Kino in der Rungestraße 20 (Berlin Mitte, nähe Bhf. Jannowitzbrücke). Der Besitzer erzählte mir dass er das Kino seit einem Jahr betreibt. Eine unterstützenswerte Initiative. Das Programm findet man unter: www.dokument-kino.de
 
Ein weitere Adresse die vielen guten Videotheken wie das Negativland, in der ich mir endlich mal Faces von John Cassavetes und andere Filme ausleihen konnte die schon seit längerem auf meiner Liste standen.
 
Es gibt in Berlin 3 gute Videotheken:
 
Videodrome: 030 692 8804 (Mittenwaldstr.11)
 
Negativland: 030 4477447 (Dunckerstraße)
 
Incredible Strange Video: 030 2151770 (Eisenacherstr. 115)
 
Tipp: Amerika-Gedenk Bibliothek: 030 90226104 (Abteilung Kunst/Medien)

Photokina
 
Nächster Morgen auf der Photokina in Köln. Eine Einladung von Epson und Digit!, bei der ich im Rahmen der Ausstellung "Meet the Professionals" ein Bild ausstellen durfte, hatte mich dort hin geführt. Die große Menge an Messebesuchern verringerte meine Begeisterung. Die Verkaufsstände habe ich im Großen ausgespart und mir dafür die weniger überfüllten Fotoausstellungen der Visual Gallery angesehen. Mein Highlight dieser Messe, die mir ansonsten leider viel zu gefüllt war.

Parallel zur Photokina gab es in Köln dutzende Ausstellungen und das Museum Ludwig zeigt Edward Hopper, der vor kurzem noch in der Tate Modern in London zu sehen war. Einen kuriosen Anblick bot nebenbei noch die St. Johann Baptist-Kirche im Kölner Süden, die wegen Tunnelbohrungen für den U-Bahn-Bau dermaßen unterhöhlt wurde, das sich der Kirchturm jetzt ganz im Stil des Turms von Pisa zur Seite neigt und mich an meine lang zurückliegende letzte Klassenreise nach Florenz, mit Abstecher nach Pisa, erinnerte. Ein mediterraner Eindruck mit dem ich Köln verlassen habe. Laut Behördenangaben steht der Turm nun wieder sicher, wenngleich weiter schief.

MARTa
 
Zuletzt einige Fotos der verschobenen Eröffnungsfeier des Museum MARTa in Herford, das in diesem Herbst eingeweiht werden sollte. Ursprünglich sollte MARTa als Museum ein "Haus des Möbels" werden. Der Belgische Museumsdirektor und Documenta-Leiter Jan Hoet veränderte das Konzept. So entstand die Idee, Möbelindustrie und Design mit Kunst und Architektur zu verzahnen. Das neue Konzept für das MARTa Herford war geboren. Im April 2001 konnte mit dem Bau durch den Architekten Frank Gehry begonnen werden. Am 6. November demonstrierte Jan Hoet nun ein letztes Mal vor der Eröffnung des Museums seine Kuratorenkraft. In einem denkmalgeschützten Industriebau, der Teil des Gehry-Museums ist, wurde die Ausstellung "Bitte nehmen Sie Platz, Herr Ensor" eröffnet. Jan Hoet zeigt hier Gemälde und Zeichnungen seines Landsmannes James Ensor (1860-1949). Ergänzend dazu zeigt der Herforder Kunstverein Druckgrafik Ensors. Am 7. Mai 2005 soll MARTa nun offiziell eröffnet werden. Natürlich nur wenn nichts weiteres dazwischen kommt. Frank Gehry versprach seine erneute Anwesenheit.

www.marta.de

Bis dahin!