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Hartmut Barth-Engelbart

 

Subject: Zeugen gesucht: 45 Gedichte als ABC-Waffen beschlagnahmt

 

----- Original Message -----

From: Hartmut Barth-Engelbart

Sent: Tuesday, December 14, 2004 9:48 AM

 

 

Mit der Bitte um Veröffentlichung und Weiterverbreitung;

Liebe ListenModeratorINNen, webmaster und andere medienexpertINNen,

der von mir verschickte erste Rundbrief gegen die Beschlagnahme stand noch unter Schockwirkung und ich habe die Texte nicht mehr so genau im Kopf zusammengekriegt, den sie mir diesmal heil gelassen haben. Hier folgt jetzt die etwas überarbeitet-korrigierte Fassung. Mir selbst wird jetzt erst die Dimension dieser Beschlagnahme klar und die sich entwickelnde ZensurStrategie der Herrschaften. : schon schreibt eine Hanauer Zeitung "Passanten fühlten sich ... belästigt ..." Der Staatsschutz als Saubermann und Menschenretter ?
Mittlerweile haben über 11.024 Menschen meine Texte bei diesen Lesungs-Schreibungen zustimmend gelesen. Jetzt wird wohl - wenn die Volksverhetzung nicht belegbar ist - schon an der Mär des vorweihnachtlichen Stadtfriedensbruches oder Landfriedensbruches gebastelt. Schön wäre es , wenn sich weitere Zeugen bei mir melden könnten, die diese Lesung und die Beschlagnahme beobachtet haben.

barth-engelbart@web.de; www.barth-engelbart.de.vu

 

Geschrieben am Saturday December 11, um07:26 PM Uhr

 

noch etwas beklommen nach dem polizeilichen Abbruch meiner 67. öffentlichen Widerstands-Lesung und -Schreibung am Hanauer Freiheitsplatz am 9.12.2004 möchte ich Sie bitten, dieses Schreiben an alle möglichen solidaritätsverdächtigen Adressen weiterzuleiten: VS-ver.di / pen-Zentrum, Einzelgewerkschaften/ DGB, amnesty, attac etc..., die zuständigen Ebenen diverser Parteien, die zumindest die Menschen- und Grundrechte unserer Verfassung noch erhalten wollen.

Am 9.12. kurz vor Ende der 67. Widerstandslesung (an der sich seit Sept.2003 über 10.000 Menschen lesend und diskutierend beteiligt haben) hat die Hanauer Polizei zunächst einen satirischen Text zur "Patriotismus- und "Deutschen-Werte"-Debatte beschlagnahmt und nach Personalienaufnahme und Drohung der Mitnahme zur Wache schließlich 45 bei diesen Lesungen entstandene Gedichte (handschriftliche Unikate auf Plakatpapier) konfisziert "wegen des Verdachts auf versuchte Volksverhetzung". Möglicher Weise ist dieser polizeiliche Fußtritt in Richtung Kunst und Grundgesetz keine von "höherer Stelle" geplante Maßnahme am Vorabend des Tages der Menschenrechte sondern ein Kollateralschaden im Rahmen der hessischen Polizei-Groß-Aktion gegen "das organisierte Verbrechen" usw. im Auftrage des Innenministers Bouffier.

Es war kein schlechter Traum, sondern ein déja-vue-Erlebnis: 1967 wurden in der Bonner Bannmeile schon einmal mehrere meiner Texte (gegen Notstandsgesetze und große Koalition) beschlagnahmt und ich für einige Stunden in der Polizeiwache im Bundeshaus festgesetzt.(es folgten dann noch mehrere Beschlagungen und Weg- und FestNahmen)

Ironie der Geschichte: um 18.30 las ein auf Geschäftsreise in Hanau weilendes türkisches Ehepaar (wie 250 andere Menschen auch) mein satirisches Gedicht zur "Patriotismus- und Deutsche-Werte-Debatte" und beglückwünschten mich zum Text und dazu, dass ich in Deutschland Demokratie so praktizieren kann. Nur 15 Minuten später wurden die Texte von der Poliziei beschlagnahmt. (An der Uniform war übrigens unschwer zu erkennen, dass es sich nicht um Volkspolizei und auch nicht um Beamte des Ministeriums für Staatssicherheit handelte (oder sie waren, wie bei diesem Verein üblich, wieder Mal sehr gut getarnt).

Die beschlagnahmten Gedichte sind Kern eines zur Leipziger Buchmesse geplanten Lyrikbandes, für den die Lesungen auf der Buchmesse bereits feststehen. Durch die Beschlagnahme ist jetzt das Erscheinen des Buches gefährdet.

Ich weiß dass eine solche Polizeizensurmassnahme in der deutschen Geschichte nicht erst jetzt vorkommt und dass sie auch aktuell nicht ein hervorragender Einzelfall sein muss. Die Texte zur deutschen Werte Debatte fanden viel Zustimmung. Nach diesem Erlebnis bin ich fast der Meinung, dass man die Türkei ohne jegliche Vorbedingungen in die EU aufnehmen sollte. Neben den sozialen werden eben auch die rechtlichen Verhältnisse gut angeglichen.

Wer die Forderung nach Herausgabe der Texte unterstützen will, soll bitte an die Polizeipräsidien in Hanau und Offenbach schreiben oder mailen. Die Texte liegen mittlerweile bei der Staatsschutzabteilung der Kripo in Offenbach beim Dezernat OF-ZK10

 

Mit freundlichen Grüßen

Hartmut Barth-Engelbart

 

ES FOLGT EINE KOPIE EINES ERSTEN HILFERUFES:

der Zambon-Verlag aus Frankfurt wagt es , ein Buch mit politischer Lyrik herauszubringen (neben anderen z.B. Werken von Dario Fo etc.), angereichert mit politischen (AUCH SCHON mAL PLAGIATIERTEN) PLAKATEN aus der Werkstatt des Autors, ist aber finanziell nicht so gut gepolstert, dass er neben den Lesungen am 17. und 18.03.2005 auf der Leipziger Buchmesse am Samstag und/oder Sonntag Lesungen in der Stadt auch noch schultern kann. Gesucht werden Mitveranstalter, die diese Lesungen mitorganisieren, Räume zur Verfügung stellen etc. Vorgestellt werden soll nicht nur mein neues Buch, sondern auch das Neueste von Dr. Giuseppe Zambon. Damit klar ist, worauf ihr euch/Sie sich einlasst/-lassen: hier findet frau/man die Texte
z.B.
solche:

und das Verlagsprogramm: www.zambon.org; zambon@online.de; www.autorenhessen.de/autoren/barth-engelbart; www.barth-engelbart.de.vu; www.dulzinea.de; und natürlich über onkel google und tante altavista. etc... Für massenhafte positive Rückmaildungen schon jetzt aufrichtig dankbar Hartmut Barth-Engelbart