Zum InhaltsverzeichnisVirtuelles Magazin 2000 

Jörg Boström

Septembergespräche im Gutshaus Below

In Below an der Grenze von Mecklenburg und Brandenburg liegt dieses schöne Gutshaus aus dem 18. Jahrhundert. Wieder hergerichtet in jahrelanger Arbeit von Dr. Wagner, einem Berliner Arzt. Immer wieder treibt es in diesen neuen Ländern Menschen, während und nach der Wende verfallende kulturell und historisch wertvolle Bauten zu erwerben und zu beleben. Im Gutshaus Below finden Tagungen statt, Lesungen, musikalische Abende. Es ist eine Arbeits- und Wohnstätte des neuen Eigentümers neben seiner Berliner Praxis. Dieses Jahr gab es hier die XII. Septembergespräche, welche die Geschichte des jeweiligen Ortes und die kulturellen und ökonomischen Fragestellungen zu Thema haben. Diethart Kerbs hat sie ins Leben gerufen und Jahr für Jahr organisiert. Immer an anderen mühsam geretteten historischen Orten, an Gutshäusern, Mühlen, Schlössern. Mit Teilnehmern, die selbst an Renovierungen und historischen Forschungen interessiert und beteiligt sind. Bei den diesjährigen Gesprächen standen die Themen der Organisation der Landwirtschaft, die Geschichte einer Glashütte in diesem Gebiet und die schreckliche Geschichte der Todesmärsche in der Diskussion.

Die Autorin Regina Scheer berichtet über Ereignisse und Hintergründe des Todesmarsches und das Lager im Belower Wald

Teilnehmergruppe an dem diesjährigen Septembergespräch am 4.9.2004. Die meisten von ihnen sind selbst Bewohner renovierter Häusern auf dem Land in Mecklenburg Vorpommern.

Historischer Park hinter dem Gutshaus Below. Dr. Wagner hat ihn restauriert und immer wieder gepflegt.

Dr. Norbert Wagner (m) führt durch den Park. Mit Prof. Diethart Kerbs und Sophie Schleußner(r), Regina Scheer (l)

Prof. Kerbs und Dr. Wagner

April 1945. Das KZ Sachsenhausen wurde geräumt. Die Häftlinge, etwa 40 000 sollten in vier Marschrouten bis zur Ostsee getrieben, dort auf Schiffe verladen und dann versenkt werden. Keiner sollte dem Feind in die Hände fallen, so lautete der Befehl. Immer wieder, bis heute, haben die Menschen Befehle unmenschlichster Art ausgeführt. Getrieben von SS Leuten, halbverhungert, schleppten sich die Gefangenen in diesen Todesmarsch. Eine der letzten Stationen liegt in Below. Die Gedenktafel und ein Museum in der Nähe des Gutshauses. Unter dem aufgebauten neuen Leben erinnern die Schrecken der Vergangenheit uns, dass ein Krieg, ein Morden der angeblichen Feinde, nicht wieder möglich sein sollte. Bald wird in der Nähe bei Wittstock wieder gebombt. Ein Übungsplatz der Deutschen Luftwaffe soll entstehen. Die wütende Bevölkerung nennt diesen Wahnsinnsplatz Bombodrom.