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Kann Fotografie unsere Zeit in Bilder fassen?

Eine zeitkritische Bilanz

25 Jahre Bielefelder Symposien über Fotografie 1979-2004.

Dieses Buch erscheint anlässlich eines besonderen Datums: Seit fünfundzwanzig Jahren finden die Bielefelder Symposien über Fotografie und Medien - Beiträge zur ästhetischen Theorie und Praxis der technischen Bildmedien und ihrer Geschichte der Fachhochschule Bielefeld in ununterbrochener Folge statt.

Sie dienten der künstlerischen und wissenschaftlichen Erkenntnis über ein Fach, das von seiner Dialektik lebt, von Dokument und Erfindung gleichermaßen. Daraus bezieht es seine immer währende Spannung und Kraft. Fotografien dokumentieren die physische Gewalt des Augenblicks ebenso, wie sie auch das Nichtsichtbare zu visualisieren vermögen und etwas sichtbar machen, das der direkten Anschauung andernfalls verborgen bliebe. In ihrer reinsten Form sind Fotografien Objekte reiner Sichtbarkeit und kristalliner Schönheit. Einige typische Beispiele vereinigt dieser Band.

Die Symposien dienten zugleich der wissenschaftlichen und künstlerischen Lehre und Forschung und dem fachlichen und persönlichen Austausch zwischen Hochschule und Berufsfeld. Mehr als zweihundert Beiträge renommierter Fachleute wurden im Laufe der Zeit realisiert, zahlreiche Publikationen gingen daraus hervor. Zu den Höhepunkten der Veranstaltungen zählten das Internationale László Moholy-Nagy-Symposium anlässlich des 100. Geburtstages des Künstlers und Bauhaus-Lehrers 1995, sowie das 7. Internationale Vilém-Flusser-Symposium "Für eine Philosophie der Fotografie" 1998. Eine Dokumentation der Veranstaltungen, die auch eine aufschlussreiche Begriffs- und Themengeschichte in Bezug auf unsere Leitfrage darstellt, befindet sich am Schluss dieser Publikation.

1990, im Jahr nach der politischen Wende in Deutschland, hatten wir diese Frage anlässlich des 11. Bielefelder Symposiums bereits einmal gestellt. Sie war abgeleitet von einem philosophischen Seminar mit der Frage: "Kann Philosophie ihre Zeit in Worte fassen?", einer erkenntnistheoretischen Grundfrage, denn erst durch Worte werden Gedanken real, durch Fotos werden sie sichtbar formuliert. Zusammen mit der eingeladenen Hochschule für Buchkunst und Grafik Leipzig versuchten wir damals, den besonderen Bedingungen und Ausdrucksformen der Fotografie am Beispiel ihrer Entwicklung in der DDR und der eben im Vollzug befindlichen politischen Wende auf die Spur zu kommen. Heute, gut zehn Jahre später, geht es heute um die Wende der Medien vom Wort zum Bild, und hier besonders vom analogen Abbild zum digitalen Image sowie um die Vernetzung von Daten- und Informationsströmen in einer Form, wie man sich das vor einem Jahrzehnt noch kaum hat vorstellen können. Eine Reihe von Beiträgen in diesem Buch widmen sich diesem Thema. Fotografie erscheint vor diesem Hintergrund heute wie eine Insel der ’Stillen Bilder’, Bilder, die sich durch ihre besondere und prägnante Art dauerhaft ins Bewusstsein einblenden, so dass wir sie nie mehr vergessen können. Sie sind Teil des individuellen wie des kollektiven Gedächtnisses. Auch das bestätigen manche Artikel in unserer Publikation.

Sie bildet ein Mosaik von Anschauungen, und damit insgesamt eine Art zeitkritischer Bilanz zur Frage dieses Buches. Wir haben sie zahlreichen Referentinnen und Referenten unserer Symposien vorgelegt und aufschlussreiche Bild- und Textbeiträge erhalten. Sie sind in dieser Anthologie zusammengefasst. Die knappe Diktion war eine redaktionelle Vorgabe, die helfen sollte, aus der Summe der eingegangenen Antworten eine Art Resümee zur Fotografie unserer unmittelbaren Gegenwart zu entwerfen. Eine breites Spektrum von Antworten ist daraus entstanden.

Dank für die Förderung des Projektes gebührt dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe sowie der Bielefelder Fachhochschulgesellschaft.

Jörg Boström, Gottfried Jäger

 

Das Buch "Kann Fotografie unsere Zeit in Bilder fassen? Eine zeitkritische Bilanz " erscheint im September im Kerber Verlag, Bielefeld, ISBN 3-936646-69-4.