Zum InhaltsverzeichnisVirtuelles Magazin 2000 

G. Martin Krauss
 
Madame Réalité
 
In den Medien scheint die Wirklichkeit inzwischen ersetzt. Vielleicht erleben wir in Reaktion auf diese Entwicklung ein deutlich verstärktes Interesse am Realen. Nicht erst durch die Ausstellungen "deutschemalereizweitausenddrei" in Frankfurt oder "Painting on the Move" in Basel, in der gegenständlicher Malerei erneut eine nahezu uneingeschränkte Führungsrolle zugesprochen wurde, wird Realität in der Kunst verhandelt.
Dabei sind die vorgestellten Modelle oft merkwürdig antiquiert. Das Miteinander von Medien und Kunst wird dabei als künstlerische Lösung vorgestellt. Nicht als blosses Gemenge von Abbildern und Übernahmen. Wenig Transformation, wenig Komplexität, keine Wahrheit.
Die Wirklichkeit ist immer konstruiert. Kunst erschafft sie ohne Widerstand, wirft in ihren Oberflächen den Spiegel auf uns.
Künstlerinnen und Künstler dieser Ausstellung beschäftigen sich seit langem beispielhaft mit einer sehr eigenen Sicht auf die "Dinge". Fast kann man davon sprechen, dass sie sich alle der Wirklichkeit in einer Übersteigung nähern. Die dadurch gewonnene Komplexität der Arbeiten führt uns in eine gesteigerte Bild-Erfahrung.
Madame Réalité - wie sich dem Trugbild dieser "Dame" nähern? Die Konstruktion dieser "Figur" ist Folie für den Ausstellungshintergrund.
"Réalité" als Frau begriffen - und "Kunst" als Begehren, frei mit der Wirklichkeit einig werden zu wollen. Madame ist sowohl Dompteuse als auch Roberte - eine Frau mit anachronistischer Kraft, geniessend, stark und unerreichbar.

Thomas Werner: Conversazione; Stefan Wissel: morgen kommt später; Marcus Neufanger: Heldenparty Block I und II

Die Künstlerinnen und Künstler schlagen Zirkel, die komplizierten Wege von Realitäten zu kreuzen. Wir sehen Annäherungen an die "Figur", bis zur scheinbaren Deckung (Kugler, Goldbach, Schrey, Sieber), virtuelle Erzeugungen (Werner, Sakic), groteske Instandsetzungen (Wissel, Zimmermann) und Repliken auf den Kunstbetrieb (Neufanger).
Marcel Proust spricht in seinem Roman "Die wiedergefundene Zeit" sinngemäss davon, dass die Wahrheit erst in dem Augenblick beginnt, in dem der Künstler zwei verschiedene Gegenstände nimmt und die Verbindung zwischen ihnen in der Metapher herstellt.
Das Kulturwerk hat in den vergangenen Jahren vorwiegend Künstlerinnen und Künstler der Region ausgestellt ("Badischer Untergrund MalereiEins" / Städtische Galerie Schwarzes Kloster Freiburg, "(süddeutsche Grammatik) MalereiZwei" / E-Werk Hallen für Kunst, Freiburg, "Badischer Rest MalereiDrei" / Markgräfler Museum Müllheim). Mit "Madame Réalité" knüpft das Kulturwerk an Ausstellungen an, die das Terrain erweitern konnten, z.B. "komm, tanz mit mir", 2000, mit junger französischer Malerei (Beguet, Fayard, Delprat).
Nach der überaus erfolgreichen Ausstellung "MalereiZwei", 2003 in den E-Werk Hallen für Kunst Freiburg, wurde das Kulturwerk des BBK diese Jahr eingeladen, eine überregionale Ausstellung mit vorwiegend Künstlerinnen und Künstlern der jüngeren und mittleren Generation, die sich mit "Realismus" befassen, für die Grosse Halle zu realisieren.
 
 
©kulturwerk 2004
 
alle Bilder 2004
Copyright bei den Künstlern und dem kulturwerk

Elmar Zimmermann: ultra plus

Elmar Zimmermann: ultra plus (Rückansicht); Oliver Sieber: Serie Album; Thomas Werner: Frau im Eis

Oliver Sieber: aus den Serien "Album" /"die Blinden"

Madame Réalité
 
25. Juni bis 25. Juli 2004  
E-Werk Hallen für Kunst, Freiburg
 
 
Ausstellende Künstler:
 
Philipp Goldbach, Köln
 
Claudia Kugler, Nürnberg
 
Marcus Neufanger, Schwäbisch Hall
 
Achim Sakic, Freiburg
 
Anja Schrey, Düsseldorf
 
Oliver Sieber, Düsseldorf
 
Thomas Werner, Frankfurt
 
Stefan Wissel, Düsseldorf
 
Elmar Zimmermann, Karlsruhe
 
 
 
Rezension zur Ausstellung von Eva Scharrer
http://www.regioartline.org