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Johannes Wallmann

VARIATIONEN 2 - aus leisen Gärten der Wildnis

VARIATIONEN 2 ist ein Spiel zwischen Zufall und Bestimmung und kann von 3 - 12 Musikern aufgeführt werden. Die Musiker postieren sich an unterschiedlichen Punkten eines Raumes; vor dem, um das und/oder mitten im Publikum.

Felder und Elemente

Die VARIATIONEN 2 bestehen aus 25 unterteilten Feldern. In den 25 Feldern befinden sich je vier symbolisierte Elemente, von denen es insgesamt 16 unterschiedliche gibt. In der Mitte eines jeden Feldes befindet sich eine Zahl. Diese Zahl bestimmt die Dauer der Elemente oder der Pause dieses Feldes nach dem Maß des gemeinsamen Tempos.

Entweder wird die Dauer eines Feldes in Form eines Elementes oder

in Form einer Pause realisiert. (Der Spieler hat also bei jeder Dauer die Entscheidung zwischen Element oder Pause zu treffen.) Wenn die Dauer eines Feldes (in Form eines Elementes oder einer Pause) realisiert ist, schließt unmittelbar die nächste Dauer an.

Die 16 einzelnen Elemente des Spieles sollten von den einzelnen Spielern innerhalb der 25 Dauern-Felder sehr genau und delikat ausgeführt werden. Jedes Element läßt unterschiedliche Interpretationen und Variationen zu.

Jeder Spieler sollte seine Interpretation und Variationen der Elemente genauestens vorbereiten und ausführen. Je größer die Anzahl der Spieler, umso genauer sind die 16 unterschiedlichen Elemente in den 25 Feldern auszudifferenzieren.

Wenn ein Element aus einem kurzen Klang oder einem kurzen ge- räuschhaftem Impuls besteht, so ist dieser nur 1x und innerhalb des 1. Schlages einer Dauer zu realisieren. In der verbleibenden Zeit der Dauer ist zu pausieren.

Hinweis: Die 16 unterschiedlichen Elemente befinden sich in den vier Eckfeldern und vermischen sich in den Mittelfeldern.

Den sich in den Feldern befindenden Buchstaben (Sator-Arepo-Formel) kommt nur eine mentale Bedeutung zu; sie sollen in keiner Weise interpretiert oder nachgeahmt werden.

 


Die Dauern - einfach oder doppelt

Die Dauern können im einfachen oder im doppelten Modus (= alle

Dauern x 2) ausgeführt werden. Nach einer Fermate kann der Spieler seinen Dauernmodus wechseln (muß es aber nicht!).

Dynamik - im äußersten pp

Alle Elemente und Felder der VARIATIONEN 2 sind im äußersten pp auszuführen. Akzente und geräuschhafte Impulse sollen jedoch kurz hervortreten.

Die Tonhöhen

Innerhalb eines Feldes sind 6 oder 8 Tonhöhennamen angegeben, auf deren Grundlage die Elemente eines Feldes zu erzeugen sind. Zur Realisierung der Elemente können auch mehrere der angegebenen Tonhöhen verwendet werden. Glissandi sollen von einer der angegebenen Tonhöhen ausgehen. (Die Tonhöhen der sich in vertikaler Reihung befindenden Felder harmonieren miteinander.)

Für Aufführungen mit Percussionsinstrumenten sind die Tonhöhennamen durch Instrumentennamen oder Instrumentenfarben zu ersetzen.

Das gemeinsame Tempo

Jeder Spieler spielt mit einem Lichtzeichenmetronom. Vor Beginn des Spieles wird für alle gemeinsam ein Tempo zwischen 44 und 66 MM definiert; alle Metronome werden gleichzeitig gestartet. Anstelle der Metronome können auch Funkuhren verwendet werden, womit allerdings das Tempo 60 MM festgelegt ist. Letzteres ermöglicht eine genauere Koordination der Einsätze.

Beginn und Wechsel der Felder

Durch ein Zeichen wird der Beginn des Spiels koordiniert. Die Spieler beginnen alle gleichzeitig mit einem Feld ihrer Wahl und realisieren eines der vier Elemente in der Dauer der Zahl (= einfache oder doppelte Anzahl der Metronomanschläge) dieses Feldes oder als Pause.

Unmittelbar am Ende einer Dauer beginnt die nächste Dauer. Die Spieler wechseln dazu in ein horizontal, vertikal oder diagonal benachbartes Feld oder springen - indem sie eine andere Strategie anwenden - in ein entfernteres Feld.

Es ist auch möglich, im bisherigen Feld zu verweilen und dasselbe oder ein anderes Element dieses Feldes (mit der gleichen Dauer) zu realisieren.

Jeder Spieler sollte den Beginn einer neuen Dauer wie einen Einsatz deutlich sichtbar für die anderen Spieler angeben (um ggf. den gemeinsamen Einsatz eines Fermatenelementes zu ermöglichen).

Die Felder mit Fermaten - Verknüpfung

über die Felder mit Fermaten in ihrer Mitte erfolgt die Verküpfung mehrerer Spieler. Dafür gelten folgende Regeln:

Ein Element eines Fermatenfeldes muß koordiniert mit der Dauer eines zweiten Spielers beginnen und mit der neubeginnenden Dauer eines dritten Spielers enden. Die Dauer der Fermate bestimmt dabei der Fermatenspieler (allerdings mit der Einschränkung, daß er sie erst bei der neubeginnenden Dauer eines dritten Spielers beenden kann). Das Ende einer Fermate bildet den Beginn einer nächsten Dauer (ggf. auch Fermate). Mittels der Fermaten werden die Aktionen der Spieler miteinander verknüpft.

Es können auch zwei oder mehr Spieler gemeinsam ein Fermatenelement realisieren. Sie beginnen und beenden es in diesem Fall gemeinsam. Die Spieler verständigen sich per Blickkontakt gemeinsam auf Beginn und Ende der Fermate.

Da ein Spieler eine Fermate mit dem Einsatz eines anderen Spielers beginnen muß, ist eine Wartezäsur vor Beginn einer Fermate meist unvermeidbar.

Gesamtdauer und Ende des Spieles

Die Gesamtdauer des Spieles ist vor jeder Aufführung festzulegen. Sie sollte 8, 13, 21, 34, oder 55 Minuten betragen.

Strategien des Spiels

Insbesonders bei längerer Spieldauer ist es notwendig, daß jeder Spieler das Spiel nach bestimmten Strategien betreibt.

Z.B.: . gleichbleibendes Element (variiert), Wechsel der Dauer

. gleichbleibende Dauer, Wechsel des Elementes

. die Felder in horizontaler Folge spielen

. die Felder in diagonaler Folge spielen

. die Felder in vertikaler Folge spielen

. das Spiel auf gleiche Elemente verengen (Wiederholung, Anpassung = Feldersprung erlaubt)

. Fermaten wiederholen / Ensemble um Fermaten massieren (an einer Fermate schließt gleich die nächste an)

. die Festlegung der Vertikale für alle Spieler verbindlich führt zu gemeinsamen Klang

Die Festlegung einer gemeinsamen Vertikale kann über (z.B. akustische) Zeichen oder den Gebrauch von Schlaginstrumenten erfolgen, was zwischen den Spielern während der Probenarbeit zu vereinbaren ist.

Es können in der Probenarbeit weitere Strategien erarbeitet und für eine Aufführung festgelegt werden.

Bei Aufführungen der VARIATIONEN 2 mit Klavieren sind z.B. Flageoletts und Glissandi auf den Saiten auszuführen.

Johannes Wallmann KLANG FELSEN HELGOLAND Landschaftsklangkomposition, Uraufführung am 31.8./1.9.1996

www.integral-art.de

www.der-gruene-klang.de

www.glockenrequiem.de