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Jörg Boström J
Annette Bültmann A
 
J. 08 Jul 2003 10:46:17 +0100
die unterwasserstrukturen sind so besser. es müssen nicht schriftrollen sein, ist ja vision unserer untergehenden kutur. habe gestern nochmal ein stück aus dem film waterworld gesehn, ganz schön schauerlich.
 
A. 09 Jul 2003 08:26:01 +0200
habe im Netz nach Seiten über Waterworld geschaut, hatte den Film auch schon gesehen, aber vor einigen Jahren. Er war dann etwas aus dem Gedächtnis verschwunden, aber nun, durch ein paar Websites, hat es sich wieder gebessert.
Wenn ich mich recht erinnere, holt der Seefahrer bei Tauchgängen Stücke der untergegangenen Zivilisation vom Meeresgrund zurück? Und sie sind dann für die dortige wässrige Welt nützlich und wertvoll, und sogar schön, die Sachen, die uns wegen der Überhäufung mit Zivilisationsgütern als alltäglicher Schrott erscheinen würden? Ich denke auch, dass unsere Zivilisation viel schöner aussehen würde, wenn sie, mit Algen und Seepocken bewachsen, geheimnisvoll im Halbdunkel auf dem Meeresgrund läge. Aber das Problem, das ich mit der waterworld hätte, ist dass ich auf schaukelnden Schiffen seekrank werde, das ist mir schon mehrmals bei Überfahrten mit Fähren passiert, und es macht überhaupt keinen Spass. Also werde ich wohl doch froh über das Festland sein müssen... obwohl, die bizarren Aufbauten in dem Film, dieses Atoll aus Blech, fand ich schon interessant, solche Endzeitkulissen haben schon auch manchmal etwas für sich...
 
J. 09 Jul 2003 09:59:22 +0100
ich schwimme gelegentlich gern, würde aber unsere welt nicht so gern absaufen sehn, im netz aber vielleicht schon, wenn du so weiter unterwassergrafiken machst. mir war waterwolrd bald zu agressiv und klischeehaft, aber optisch im material sehr reizvoll angelegt.
 
A. 09 Jul 2003 10:30:52 +0200
Waterworld ist ziemlich hollywoodmässig klischeehaft, das finde ich auch, stimmt, aber interessante Bilder, wenn man gerne Wasser sieht...
 
J. 12 Jul 2003 10:12:54 +0100
jetz sehen die unterwassersachen auch aus wie historische müllhalden und der schwimmer schwebt schmunzelnd darüber, als hätt er sie soeben entdeckt. sieht frisch und gut aus, aber nicht so historisch, wie ägyptische tiefseefunde
 
 
Annette Bültmann
 
Wasser in verschiedenen Kulturen
 
Ägypten:
Nach einem ägyptischen Schöpfungsmythos, der aus der Stadt Hermopolis stammt, stieg aus dem Urwasser, dem Meer des Chaos, der Urhügel empor. Es scheint verschiedene Variationen des Mythos zu geben, nach einer davon legte der Gott Thot in Gestalt eines Ibis ein Ei auf den Urhügel, aus dem der Sonnengott Re schlüpfte. Nach anderen Varianten wurde das Ei von einer göttlichen Nilgans gelegt, oder es entstand im Nichts des Urwassers, oder auf dem Urhügel wuchs eine Lotosblüte, aus der der Sonnengott stieg.
Man glaubte in Hermopolis an eine Achtheit (Ogdoade), vier Paare von Urgottheiten, von denen manchmal die männlichen Götter mit Froschköpfen und die weiblichen mit Schlangenköpfen dargestellt wurden: Nun und Naunet, die Personifikationen des Urgewässers, Huh und Hauhet, die Ewigkeit oder Unendlichkeit, Kuk und Kauket, die Finsternis und Amun und Amaunet, die Leere, Verborgenheit oder unsichtbare Kraft.
http://www.meritneith.de
Die Personifikation des urzeitlichen Wassers, der Gott Nun, oder als Aussprache wird auch Nu, Nenu oder Nunu vermutet, und bei Naunet wird als mögliche Aussprache auch Nenet uder Nenut genannt, wird auch als Vater der Götter bezeichnet, als "urältester Gott", oder als als Ur-Ozean, in dem der Keim aller Schöpfung liegt.
Nun wird manchmal mit einem menschlichen Körper und einem Froschkopf dargestellt, manchmal als Frosch, oder in menschlicher Gestalt mit blaugrüner Färbung, manchmal mit Wellenlienien auf dem Körper.
Die Vision vom Urgewässer als Grundlage aller Schöpfung scheint mehreren ägyptischen Weltenstehungsmythen gemeinsam zu sein. Eine andere Version zum Beispiel, aus Heliopolis, kennt ebenfalls das Urwasser Nun, lässt den Urhügel darin aber durch den Schöpfergott Atum enstehen, der sich darauf niederlässt und den Gott der Lüfte Schu durch Niesen und die Göttin der Feuchtigkeit Tefnut durch Ausspuken erzeugt.
Das Wasser, und dieser Schöpfungsmythos, hatten für Ägypten wohl eine besondere Bedeutung, weil das Land jährlich nach der Nilüberschwemmung wie der Urhügel wieder aus den Fluten hervorsteigt, und nur durch die Überflutungen das Nildelta fruchtbar bleibt. Aus dem Nilschlamm stammt vielleicht auch die Idee froschköpfiger und schlangenköpfiger Götter. Man glaubte, dass die Erde auf dem Urozean schwimmt, der durch Löcher nach oben quellen kann, so auch, wenn man z.B. bis zum Grundwasserspiegel gräbt. Für Nun wurden keine Tempel gebaut, aber die heiligen Seen einiger Tempel symbolisieren wahrscheinlich Nun, z.B. der bekannte heilige See im Karnak-Tempel, in dem die rituellen Waschungen der Priester stattfanden.
http://www.isis.li
 
Mesopotamien:
Auf mesopotamischen Darstellungen aus der Zeit von zwischen 2500 und 2000 v.Chr. findet man einen Bootsgott, dessen Gestalt anfangs als schlangenförmiges Boot dargestellt war, im Laufe der Zeit wurde er zunehmend anthropomorph dargestellt. Schliesslich besteht dann das Schlangenboot nur noch aus einem Bein des Gottes, mit dem anderen tritt er auf das Festland.
(Birgit Kahler, Mesopotamien: Neue Erkenntnisse zum sogenanten Bootsgott)
http://www.mysteria3000.de
Bekannt ist, dass in der mesopotamischen Schöpfungsgeschichte zuerst ein riesiger Salzwasserozean existierte, der dann in Himmel und Erde getrennt wurde. Nach einem Schöpfungsmythos wurde der schlangengestaltige Gott Enki, Sohn der Urmutter Nammu, von seiner Gattin Ninsikila gebeten, das für die Schöpfung notwendige Wasser zu schaffen, und verwandelte den Salzwasserozean in Süsswasser, und begab sich anschliessend auf eine Schiffsreise von der Insel Dilmun nach Sumer und Ur. Ist also mit dem Bootsgott der Schöpfergott Enki wärend der Reise dargestellt?
Ea (babylonisch) oder Enki (sumerisch "Herr des Unten") ist einer der höchsten Götter Mesopotamiens, der Gott des unterirdischen Süsswasserozeans, und der Gott der Weisheit, der Magie und der Künste. Die Bedeutung dieser Mythen wird auch sichtbar in dem berühmten sumerischen Tempel Eapsu, dem "Haus des Urozeans".
Der Abzu genannte lebenserhaltende Süsswasserozean liegt nach altmesopotamischer Vorstellung unter der Erde und speist die Seen um die Stadt Eridu, die damals wahrscheinlich nicht direkt am Meer lag, aber am Wasser. Abzu ist auch gleichzeitig eine Gottheit, die nicht personifiziert dargestellt wird, sondern mehr oder weniger mit dem Süsswasserozean identisch ist, beziehungsweise mit dessen lebensspendender und -erhaltender Bedeutung, und als der tiefe verborgene Ort. Enki als personifizierter Schlangengott verwandelte das Wasser, so dass es erst dann das vom Süsswasser abhängige Leben hervorbringen konnte.
Auf einem altakkadischen Rollsiegel ist Enki, akkadisch Ea genannt, in einem von Wasser umgebenen Tempel zu sehen. "Aus seinen Schultern sprudeln Wasserstrahlen hervor, die sich in das umgebende Meer ergießen. Es ist, als wolle man den ewigen Kreislauf des Lebens, ausgelöst und erhalten durch den Kreislauf des Wassers, im Bild des Gottes und seiner mythischen Funktion darstellen."
(Aus: Helmut Uhlig, Die Sumerer, Volk am Anfang der Geschichte)
 
China:
In China ist in der Mythologie das Wasser verknüpft mit dem Wassergott Kung-Kung, dargestellt als schwarzer Drache, Dämon der Urfluten, der beim grossen Anfang des Nicht-Anfangs von Geist und Materie im Kampf besiegt wurde durch den gelben Kaiser, die Sonne. Oder nicht? Diese Art von mytholgischen Geschichten klingen für heutige Ohren vielleicht etwas sonderbar und märchenhaft. Nach einer anderen Geschichte ist der Drache verantwortlich für die Neigung der Erdachse, weil er den Pfeiler des Himmels und die Befestigung der Erde zerbrochen hat: "Kung-kung, das gehörnte Ungeheuer hatte sich... auf den Berg Pu-chou gestürzt und ihn durch einen Stoß mit seinem Horn beschädigt;" "es zertrümmerte den Pfeiler des Himmels und zerbrach die Befestigung (wei) der Erde".
Deshalb neigte sich der Himmel, und zwar gegen Nordwesten, derart, daß die Sonne, der Mond und die Sterne zum Sonnenuntergang (Westen) hinziehen...
(Granet, Marcel: Das chinesische Denken)
Kung Kung wird weiter beschrieben mit Dämonenaugen und dem Nacken einer Schlange, als Fürst weiterer Drachen, finsterer Engel, die aus dem Meer stammten:
dichterschwanke/pfirsich.html
Nach einer anderen Version des Mythos stiess Kung-Kung im Kampf gegen den Gott der Sonne mit dem Kopf gegen das Sonnengewölbe, und die blaue Jadekuppel zerbrach, und wurde von der göttlichen Königin Nü-Kua aus der östlichen See, die auf dem Regenbogen zum Himmelsgewölbe aufstieg, wieder zusammengesetzt, bis auf zwei kleine Risse, die sie vergass, und die die Zweiheit in der menschlichen Liebe bewirkten.
http://www.246.dk/teadbvt.html
In der chinesischen Philosophie taucht seit ungefähr 700 v.Chr. immer wieder das Yin-Yang-Konzept auf. Die ursprüngliche Bedeutung der Schriftzeichen für Yin und Yang ist Yang = Sonnenseite eines Berges und Yin = Schattenseite eines Berges. Daraus geht schon hervor, dass es sich nicht um eine statische Gegnsätzlichkeit handelt, sondern Yin und Yang sich in ihr Gegenteil verwandeln und ineinander übergehen können, so wie je nach Sonnenstand andere Teile eines Berges in der Sonne oder im Schatten liegen. Das gilt auch weiterhin, auch wenn die Bedeutung der Begriffe sich mehr zu abstrakten Gegensätzlichkeiten gewandelt hat. Dazu kommt, dass nichts gänzlich Yin oder Yang ist, sondern an jedem Betrachtungsobjekt die Yin- und Yang-Anteile festgestellt werden können. Das widerspricht aber unserem binären Denken, und es ist also möglich, dass, obwohl das Symbol der ineinander übergehenden Gegensätzlichkeiten in Form von schwarzen und weissen ineinanderfliessenden oder fischartig umeinander schwimmenden verformten Halbkreisen, in denen sich jeweils wieder ein Kernpunkt der komplementären Helligkeit bzw. Dunkelheit befindet, weitverbreitet war zur Zeit der Jugendsubkultur der 70er Jahre, sich uns das Yin-Yang-Prinzip nicht völlig offenbart. Das Symbol des vollen und gleichzeitig leeren Kreises, wu chi (das Nichts - der Anfang und Ende aller Dinge ) oder tao, als Schriftzeichen ein nicht ganz geschlossener Kreis, das Symbol der Urenergie, Laotse schreibt im Dao De Jing:
"Könnten wir weisen den Weg, es wäre kein ewiger Weg;
Könnten wir nennen den Namen, es wäre kein ewiger Name.
Was ohne Namen, ist Anfang von Himmel und Erde;
was Namen hat, ist Mutter den zehntausend Wesen."
Tao-Tê-King : 1.Kapitel chin./dt.
Auch die chinesische traditionelle Medizin ist an dieser Denkweise orientiert und versucht, das Wirken von Yin und Yang im Körper zu harmonisieren, anzustreben wäre ein Gleichgewicht.
Jedenfalls, Yang-Anteile kann man symbolisch dem Feuer zuordnen: trocken, hell, heiß, aktiv und aufwärts, nach außen gerichtet, während die Yin-Polarität dem Wasser in einem tiefen See entspricht: nass, absinkend, dunkel, tief, kalt und ruhig.
 
Europa:
Die Geschichte der europäischen Philosophie beginnt wahrscheinlich vor ungefähr zweieinhalbtausen Jahren mit den griechischen Philosophen, die auch gleichzeitig als Begründer der heutigen Wissenschaft gesehen werden können.
In einer Zeit, als die ägyptische und mesopotamische Kultur schon seit mehreren Jahrtausenden existierten, entwickelte sich in den ionischen Städten, im Südosten Griechenlands, heute im Gebiet der Türkei, und besonders in deren südlichster Stadt Milet, ein über mehrere Generationen weitergegebenes philosophisches und ansatzweise wissenschaftliches Denken.
Der früheste und bekannteste Vertreter dieser Philosophen-Schule war Thales von Milet (624 - 546 v.Chr.), dem es durch Berechnungen erstmalig in der Geschichte der Menschheit gelang, eine Sonnenfinstenis vorherzusagen. Thales stellte die Theorie auf, das Ur-Element, der Ursprung aller Dinge sei das Wasser (hydor). Die Suche nach dem Urstoff als Prinzip begründet auch gleichzeitig in gewisser Weise die Naturwissenschaft - das Wirken von Göttern bleibt aussen vor, eine Erschaffung der Welt findet nicht statt. Sattdessen richtet sich das Interesse auf eine Substanz und ihre Veränderung in Form des Verdunstens oder Verflüssigens, also, in heutiger Terminologie ausgedrückt, ihre Aggregatzustände. Aus naturwissenschaftlicher Sicht ist die Hypothese des Ursprungsstoffs Wasser durchaus sinnvoll, wenn man bedenkt, dass Wasserstoff das häufigste chemische Element im Weltall ist, und auf der Erde sowohl in Form von Wasser vorkommt, als auch in vielen anderen Verbindungen. Und das Leben auf der Erde beseht hauptsächlich aus Wasser (H2O) und Kohlenstoffverbindungen, die ebenfalls fast immer Wasserstoff enthalten. Allerdings ging Thales noch davon aus, dass die Erde eine Scheibe (diskos) sei, die auf einem Urozean (okeanos) schwimme.
Sein Schüler Anaximandros von Milet (611 - 546 v.Chr.) von dem das schriftliche Werk "Über die Natur" überliefert ist, sah die Erde als einen Zylinder im Raum, um den die Sterne kreisten. Statt des Urstoffs Wasser sieht er als Ursprung der Dinge das Unbestimmte oder Unbeschränkte (apeiron), das als anfangslos und unvergänglich gesehen wird, und aus dem alles hervorgehen und wieder dorthin zurückkehren soll; Wasser und den Urschlamm sieht er als Ursprung des Lebendigen an. Er entwirft eine frühe Evolutionstheorie, der zufolge sich Menschen aus fischähnlichen schwimmenden Lebewesen entwickelt haben. Unter dem Einfluss von Wärme seien sie herangereift, zu Menschen geworden und an Land gekrochen. Man könnte also Anaximandros als ersten Vorläufer Darwins ansehen. Anlass dieser Theorien waren wahrscheinlich fossile Fische, die er gefunden hatte und als Vorfahren des Menschen ansah, was ja auch aus heutiger wissenschaftlicher Sicht Sinn macht.
 
Links zu Thales und Anaximandros von Milet und den vorsokratischen Philosophen
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