Zum InhaltsverzeichnisVirtuelles Magazin 2000 

Sabine Schründer, Henrik Drescher

Emaildialog zur Entstehung der Fotografien für die Ausstellung "Familiendinge" im Neuköllner Heimatmuseum

henrik am 25.5.03
 
was treibt mich ?
 
genau die richtige frage für den sonntag an dem die sonne scheint und schwerelos alle dahingehen und nach einem spaziergang plötzlich durst haben und was trinken müssen - sonst kommen sie um.
 
warscheinlich ist da etwas was fehlt im leben und fatalerweise immer fehlen wird - eine grenzenlose sehnsucht, etwas nicht zu erfüllendes, ein geheimnis das sich sträubt, fragen nutzt da nichts.
man kommt -wie fies - mit jedem mal, jedem bild, näher ran.
 
romantik sagt man dazu, wohl. einsamkeit auch - und die sucht/e man/ich im bild, das vermeintlich ECHTE das man sich - gerade gedacht - abschminken kann! ein dilemma.
 
so wie bei der wg. was so ungeklärt begonnen hat und dann so viel magie in sich hatte, wo ganz schnell klar war, das das richtig ist und gar nicht anders sein kann. die ECHTHEIT transformiert sich dann und wird ECHT!
 
("nature plays a trick on me" - the smiths, 1983)
 
 
sabine am 15.6.03
 
ach was soll das mit der Echtheit. es ist alles da was wir brauchen und die geschichten zu den bildern die gibt es doch nur in unserem kopf. in deinem und in meinem und wir haben wohl etwas glück, dass unsere schnittstellen etwas grösser sind. so sehen wir in ihnen unsere erinnerungen. vielleicht. oder das beschissene gefühl von dem sonntagnachmittag zu hause- 1978- ich sag dir. es fühlte sich an wie bei den niemetzens. und deshalb hab ich zu herrn niemetz gesagt dass er sich hinstellen soll- die kontrollinstanz. so wie mein vater. und immer schön lächeln und den schein nach aussen wahren. scheisse sag ich dir. doch jetzt ist es eins unserer lieblingsbilder aus der serie geworden- aber wahrscheinlich aus unterschiedlichen gründen. es ist der glamour der uns treibt und der versuch etwas kristallendes zwischen den einzelnen bildern herauszufiltern. ja- dazwischen irgendwo. aber mit der WG das war ja wirklich eine magie. die kann nur zwischen dir und mir sein weil wir nunmal auf der gleichen welle reiten- ich werde diese halbe stunde nicht vergessen- wir trauten uns nicht zu atmen und der regen und alle um uns herum waren voller spannung, und dann kommt da DAS bild dabei raus und wir wussten beide: es wird unsere sicht der dinge verändern. wie stolz wir waren aber auch etwas vorsichtig in unserer wortwahl hinterher- bei mir im studio mit dem blick in den dunklen winterhimmel. angst davor die magie zu zerstören. doch sie war schon längst auf dem foto gefestigt. die maske als aufgedrückte erwartung. fassade. künstlich. doch die augen dahinter ziehen uns hinunter in den abgrund- da fühlen wir uns am wohlsten. da gibt es nur die unmittelbarkeit die wie eine kühle feste hand in die lunge greift.
 
 
henrik.16.6
 
es ist wie in guten songs. alles verdichtet sich auf einen moment der unwiderbringlich ist und so gelingt das auch mit bildern. zum bild der wg läuft auf jeden fall ständig musik, andauernd. fREE. wie in watte gepackt schauen wir da hin und alle fragen stellen sich. ich weiss noch wir kamen da hin und alles war nicht wirklich. wie er die putenschnitzel gebraten hat und die küche voller rauch war. und dann keiner da ausser den zwein und der betreuerin, die uns erstmal alles gezeigt hat, das zimmer für die einzelgespraeche, das war schon perfekt. der rauchende junge, der so wahnsinnig schnell geraucht hat und keinen bock hatte auf irgendwas, die zimmertür die so viel zu sagen haben sollte. das bild ist nicht umsonst von aussen nach innen, denn da drinnen wollte man nicht sein. ein tolles thema. überhaupt wirken die bilder auf mich .... hermetisch. da kommt nix rein und geht nichts raus. kaum luft zum athmen. bilder, ohne die bilder danach und ohne die davor. es stellt sich nicht die frage wer das ist und was die machen. sie sind da! reicht völlig.