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Jörg Boström

AMERICA YESTERDAY Andreas Feininger, ein Architekt der Fotografie

Fotografien sind ein Spiegel des optisch Wirklichen und zugleich Bilder, Darstellungen, Interpretationen. Das gilt auch für Ausstellungskonzepte der Fotografie, für ihre Verwendung in den Medien, für ihre Lesbarkeit. Sie bleiben zwar was sie sind, über Jahrzehnte hinweg, ihre Sicht auf die Dinge bleibt sich gleich, ihre Komposition, ihre materielle Existenz als Bild, nicht aber die Sicht auf sie in wechselnder Zeit, in wechselnder Einstellung der Betrachter auf sie. Konzipiert wurde die Ausstellung mit Feiningers Fotografien unter dem Titel AMERICA YESTERDAY vom Institut für Kulturaustausch Tübingen im Jahr 1998. Seit der Zeit wanderte sie durch neun verschiedene Stationen bis nach Herford. Gestrig, Yesterday, war auch damals die Sicht der 40er, 50er, 60er Jahre auf ein heiles, selbst bewusstes Amerika, das sich in diesen Bildern widerspiegelt. Inzwischen hat sie gerade durch den Kontrast zur aktuellen Weltlage nach der Zerstörung des World Trade Center in der Spannung der Sichten auf Amerika einen neue Spannung gewonnen, als sei es die Sicht nicht nur auf ein gestriges sondern in dieser Form und in diesem Selbstverständnis auch untergegangenes Amerika. Man liest diese Bilder noch einmal neu, verstärkt und verschoben durch den Filter unserer Gegenwart. Diese Bilder sind überzeugend gestaltet als Ausdruck dessen, was man als amerikanischen Traum bezeichnet hat. Einer der Begründer dieses Mythos ist der Dichter Walt Whitman. Die amerikanische Autorin Susan Sontag schreibt in ihrem Essay "Amerika im düsteren Spiegel der Fotografie": Alle Tatsachen, auch die belanglosen, besitzen in Whitmans Amerika Leuchtkraft, in diesem idealen Raum, den die Geschichte real gemacht hat und, so Whitman wörtlich, in dem "die sich offenbarenden Fakten in Licht getaucht sind". Weiter sagt er: "Im Grunde sind die Vereinigten Staaten selbst das größte Gedicht." Diese Fotografien zeigen auch in diesem Sinne den noch ungebrochenen Blick auf dieses Land.

 


Wendover, Nevada, 1953

 

Wie entsteht der besondere fotografische Zugriff Feiningers auf Amerika, aus welcher Sicht hat er das Bild dieses Landes geprägt? Welche technischen und formalen Mittel setzt er ein? Wenn die amerikanische Fotografin Dorothea Lange behauptet, es sei ebenso wenig Zufall, dass der Fotograf Fotograf wird, wie es Zufall ist, dass der Löwenbändiger Löwenbändiger wird, wäre zu fragen, aus welcher Lebensnotwendigkeit und mit welchen Kunstgriffen bändigt Andreas Feininger die Inszenierungen und Formen in Amerika. Was kann die Kamera in den Händen eines am Bauhaus in Dessau studierten Mannes leisten, dessen Vater dort lehrte, ein damals schon anerkannter Maler eines persönlich entwickelten, vielfach an architektonischen Strukturen aufgebauten Kubismus? Andreas, Sohn von Lyonel Feininger, geht über eine Lehre als Modellbauer in das Architekturstudium und arbeitet zunächst als Architekt, einige Zeit im Büro von Le Corbusier in Paris und später in Stockholm. Es ist die wirtschaftliche Enge dieser Zeit, welche ihm die Arbeit als Architekt unmöglich macht und ihm die Kamera als Architekturfotograf in die Hände gibt. Fotografische Aufträge sind eher für ihn erreichbar als die der Architektur. Einen prominenten Künstlervater im Rücken muss er etwas leisten, das eigenständig ist und doch auf den Besitztümern seiner ererbten und erlernten Begabung aufbaut. Also was? Was tun? Als Andreas Feininger seine Sicht auf die Fragen der Gestaltung entwickelt und später seine fotografische Arbeit beginnt hatte in der Malerei der Kubismus seine Phasen durchlaufen, der Expressionismus sich verbraucht, die Dada Bewegung ihre grimmigen Scherze von Zerstörung und absurder Konstruktion zu einem Ende getrieben. Der Surrealismus versuchte sich in den Ängsten und Lüsten der Traumtiefen. So verlangte auch die Malerei nach einer Atempause auf der einen, nach einem Abschwirren in surreale Traumwelten oder in das Pathos des politischen Engagements auf der anderen Seite. In diese Zeit der Besinnung auf Realitäten, der Ernüchterung, des Anhaltens atemloser Innovation fällt sicher nicht ganz zufällig die Fotografie und die Malerei der Neuen Sachlichkeit mit ihrem spezifisch fotografischen Ansatz. Bei Feininger damit verbunden ist die formale Stringenz der Gestaltung am Bauhaus. Susan Sontag schreibt dazu: "Was die Bauhausdesigner faszinierte, war die Schönheit der Formen, die von der Industrie- und Wissenschaftsfotografie sichtbar gemacht werden". Es ist dieser konstruktive, kühle und von den Bau- und Raumformen faszinierte Blick, welcher auch in der amerikanischen Fotoszene den Bildern von Feininger seine spezifische, und man darf nun auch sagen, europäische Anmutung gibt. Amerikanische Fotografie etwa von Walker Evans, Ansel Adams bis zurück zu Alfred Stieglitz strahlt im Vergleich dazu eine sich identifizierende Wärme eines heimatlichen Gefühls für ihr Land aus. Andreas Feininger dagegen erforscht und registriert mit konstruktiv arbeitender Technik diesen für ihn neuen Kontinent. In seiner Kamera gliedern sich die Formen der Städte, der Landschaft und der Natur nach strikten Rastern der Horizonte und Vertikalen, wie sie sich zunächst in seiner Arbeit in Chicago 1941 im Sucher seiner zweiäugigen Rolleiflex und nach kalkulierten Perspektiven und ausgewähltem Licht auf der Grundlage sorgfältig zuvor studierter Stadtpläne darstellen.

 

Chicago River, 1941

 

Er schreibt über diese fotografische 29 Tage Aktion: ".. since any map shows the point of the compass, it lets me know when specific streets or buildings will be in the sun and when in shade, and the hours, when i expect to encounter the raking sidelight i may need to bring out the relief of the facade of a certain building or the backlight that creates the glitter of sun on water...". In der Bildfolge aus Chikago arbeitet Feininger vielfach mit Gegenlicht, mit Streiflicht, aber auch mit einem die Konturen der Hochhäuser und Stahlkonstruktionen auflösenden Dunst und Rauch, mit dem Glitzern der Wasseroberflächen im Gegenlicht. Diese im Auftrag von Life durchgeführte Fotoarbeit von 1941 wurde nicht in dieser Zeitschrift publiziert. Der Angriff der Japaner auf Pearl Harbour verdrängte alle anderen Artikel und Berichte.

Genaues Hinsehen, scharfer nüchterner Blick, kein Pathos, keine subjektive Leidenschaft, von der fotografischen Technik und Möglichkeit gestaltete Sicht, Träume und transzendente Visionen sind ausgeschaltet. Die amerikanische Welt ist für Feininger eigentümlich genug, man muss sie nicht neu erfinden und sich auch nicht eine andere erträumen. Auch die Grenzen der Fähigkeiten der Kamera werden nüchtern gesehen und eingesetzt. Struktur von Baukörper und Raum bestimmt die Bildform mit sorgfältig kalkulierter Auswahl. Die sichtbare Welt bleibt Bild bestimmend mit äußerster Schärfe. Die Farbe bleibt ausgeblendet, aber die Reduktion auf Schwarz-Weiß wird kompensiert durch die mögliche Fülle der Abstufungen und Zwischentöne im Graubereich, die rechteckige Begrenzung des Weltbildes durch Sucher oder Mattscheibe wird endgültige Bildform in sorgfältig austarierten Kompositionen. Wenn man eine Parallele zur Kunstentwicklung suchen will, dann findet man sie in Konzeption und malerischer Praxis der Neuen Sachlichkeit der zwanziger und dreißiger Jahre. Nachdem viele Fotografen im Bereich der Kunstfotografie versucht hatten, die fotografische Technik nach Möglichkeit zu verschleiern, um eine Annäherung an malerische Anmutung zu erreichen, setzt Andreas Feininger gerade auf diese fotografische Technik und verzichtet auf eine wie immer geartete abstrahierende grafisch-künstlerische Anmutung. Auf der Strecke bleibt anscheinend das Individuelle, der persönliche Ausdruck. Die Fotografie sei aufgrund ihrer mechanischen Struktur besser geeignet, "einem Gegenstand gerecht zu werden, als eine künstlerische Individualität auszudrücken", so der Fototheoretiker Klaus Honnef. (K.H. S. 20) Dem Gegenstand versucht der Fotograf gerecht zu werden. Künstlerische Individualität soll, kann nicht sein? Leider? Zum Glück?

Der Historiker Klaus Honnef verweist auf eine Dialektik des Subjektiven und Objektiven, welche man zur Erklärung des Phänomens Andreas Feininger heranziehen kann. Je genauer dieser Fotograf seine Umgebung, seine Lebenswelt in Bildern aufzeichnet, desto einsichtsvoller wird im Laufe eines Lebens und eines umfangreichen Werkes eine persönliche Sicht und Gestaltung, das Subjekt also in einer objektivierten Bildform. Andreas Feininger gestaltet ein Bild der USA, seiner zunächst erzwungenen Wahlheimat, so prägend und anscheinend sachlich, dass man immer wieder versucht ist, diese fotografische Realität zu verwechseln mit dem Lande selbst.

 

New York, Fifth Avenue, 1948

New York, 1943

 

Viele der Bilder von Andreas Feininger sind aber auch schon lange unverwechselbar als Inkunabeln der Foto- und damit auch der Kunstgeschichte und dem Individuum Andreas Feininger, also doch auch dem Subjekt, unablösbar angeheftet. Gerade in dieser Sachlichkeit, in dieser apparativen Sichtweise aus der Schule des Bauhauses und der daraus entwickelten Architekturfotografie liegt das Subjektive, Individuelle, der persönliche Ausdruck des Fotografen Andreas Feininger in seiner eigenen Bildarchitektur, die ihn auch abhebt von seinen amerikanischen Kollegen.

Klaus Honnef beschreibt diese anscheinend widersprüchliche Verbindung so:" Da er das Urteil darüber trifft, was abgelichtet wird, und zudem, aus welchem Blickwinkel, teilt er dem fotografischen Bild unweigerlich seine subjektive Anschauung der Wirklichkeit mit. Der Ausschnitt der Wirklichkeit, die Gegenstände, die ein fotografisches Bild fixiert, werden zwar mit einer Echtheit, einer Präzision und einer Originaltreue der fertigen Aufnahme eingebrannt , die in keiner handwerklich betriebenen Bildkunst auch nur annähernd erreichbar ist. Doch es sind ebenfalls die Phänomene, die der jeweilige Fotograf ausgewählt, für abbildungswürdig befunden und durch entsprechende Manipulationen an der Kamera in bestimmter Weise vermittelt hat. Objektivität, durch die teilnahmslose, technische Bildproduktion gewährleistet, und die Subjektivität desjenigen, der den Auslöser des Fotoapparates betätigt, durchkreuzen einander".

 

 

Route 66, Seligman, Arizona, 1947

Mitte Amerikas, Kinsley, Kansas, 1953

Andreas Feininger ist kein Reisefotograf im Sinne eines Berichterstatters, kein die Ferne suchender Romantiker, auch kein Bildjournalist im Sinne eines Reporters, der den politischen Ereignissen und den menschlichen Dramen des Lebens und seiner Exzesse nachspürt. Seine Fotografien schließen sich nicht aneinander wie ein Road Movie auch wenn eins seiner bekanntesten und heute noch in zahlreichen Prints angebotenen Bilder sich präsentiert mit Ferne, Wolke und tief liegendem Horizont "Route 66", die Straße, der Glenn Miller eine seiner populärsten Kompositionen gewidmet hat. Feiningers Bilder stehen still, fetgehalten von der Mittel- und Großformatkamera auf dem Stativ. Sie sind ausgeklügelte Kompositionen von Raumform und Licht. Anders als bei dem Amerika Reisenden Robert Frank tauchen Menschen in seinen Bildern selten auf, nicht individuell und nicht als persönliche Begegnung, eher als Masse, als Benutzer der gigantischen Stadtszenerie, als Funktionsfiguren beim Einkauf oder im Straßenverkehr, so gut wie nie als persönliches Drama oder Schicksal. Krieg, Aufmärsche, Trümmer und Trauer kommen nicht vor in einem Werk, das im Wesentlichen nach seinem Umzug nach Amerika 1939 und weiter nach dem 2. Weltkrieg gewachsen ist, das eine ungebrochene Achtung und Liebe in einem noch ungebrochenen Selbstwertgefühl Amerikas zu sich selbst darstellt und das heute unter dem Symbol von Ground Zero gestrig, historisch, tragisch überwunden erscheinen muss. AMERICA YESTERDAY, ist der Titel der Ausstellung. Der Betrachter macht dennoch von Bild zu Bild in statisch komponierten Stationen eine Reise durch den Kontinent von Osten, der Metropole New York, über Chicago, über Landschaften des mittleren Westens bis zur West Coast nach Kalifornien. Sein rationales, auch kartografisches Verständnis der räumlichen Dimensionen des Kontinents trifft sich mit dem der Amerikaner, symbolisiert in dem Richtungsschild und in der exakt mittig und Bildflächen parallelen Fotografie New York 1561 Miles und San Francisco 1561 Miles.

 

 

 

New York, Downtown Manhattan, 1940

 

Die Skyline von Manhattan ist wohl von keinem anderen Fotografen so einprägsam dargestellt worden, man sucht förmlich als Besucher diese Perspektive immer wieder auf, die Brooklyn Bridge, die in Langzeitbelichtung unter kreisenden Sternen sich selbst mit der Fackel anstrahlende Freiheitsstatue, die endlos scheinenden, präzise ausgerichteten Raster der Hochhausfassaden, die Straßenfluchten im Gegenlicht und die geordneten Ströme der Autos der 4oer und 50er Jahre. Die Stadt scheint geordnet und strahlt im amerikanische Selbstbewusstsein aus der Zeit nach dem gewonnenen Krieg und vor dem Desaster von Korea und besonders von Vietnam. Die Konturen der Riesenstadt sind noch nicht ausgedehnt und erhöht durch die Bauten des World Trade Center und sie haben noch nicht den Schock ihrer möglichen Vernichtung erlebt.

 

New York, 1940

Florida, 1967

 

Dieses selbst bewusste Amerikabild is auch von Autoren wie Phillip Roth, Paul Auster, Jonathan Franzen und andern subtil angefressen oder doch durch ein differenziertes und psychologisch gebrochenes Selbstverständnis ersetzt. Feininger fand in den USA eine ausgeprägte Tradition Fotografischer Kultur vor, in der Geschichte Alfred Stieglitz, Paul Strand, Lewis Hine und weiter in seiner Gegenwart Walker Evans, Dorothea Lange, Ansel Adams, Berenice Abbott und viele andere. Andreas Feininger hat die Motive aus seiner amerikanischen Lebenswelt genommen, er fotografiert, was ihn beeindruckt. Es sind Bild gewordene architektonische Strukturen auch da, wo er Landschaft und Naturform durch die Technik seiner Kamera immer neu zu konstruktiv anmutenden Fotografien formt. Sieht man auch zugleich immer wieder das Erbe und die Bildkultur von seinem Vater Lyonel, von seiner Prägung durch Lehre, Studium und Praxis der Architektur? Schon insofern ist sein Werk so etwas wie eine Biografie, weniger der Menschen, mit welchen er Umgang hatte, wohl aber der Dinge und Räume, Biografie eines in Europa, in Paris geborenen und in Deutschland ausgebildeten Amerikaners, der als erwachsener Mann mit 37 Jahren sein Land USA wiedersieht, das ihm von da an zum unerschöpflichen Bildgeber wird. Andreas Feininger scheint nicht Rücksicht zu nehmen auf die Vergänglichkeit der Zivilisation und der Fotografie. Es geht ihm nicht um den moment decesive, den entscheidenden Augenblick der Fotografie eines Henri Cartier-Bresson oder der lebensgefährlichen, dramatischen Nähe eines Kriegsfotografen, der sagte: Wenn dein Bild nicht gut ist, dann warst du nicht nahe genug daran und den zuletzt eine Tellermine in Vietnam tötete, Robert Capa. Andreas Feininger dagegen ist der Statiker und Konstrukteur unter den amerikanischen Fotografen, sein beliebtestes Instrument ist das Teleobjektiv. Sein Thema sind nicht die dramatischen Ereignissen nicht die Nachtseiten der Großstadt und die Verbrechen eines Weegee, nicht die rätselhaften Masken der Menschen in den Straßen aus unmittelbarer Nähe eines William Klein, der das extreme Weitwinkelobjektiv nutzt. Feininger fotografiert, als wolle er das endgültige Bild des Raumes und der Metropole gestalten, die sich von nun nicht weiter verändern sollen. Selbst die Form der Wolken bestimmt er und legt sie fest wie über der Route 66. Tatsächlich ist der Betrachter versucht, diese Städte, Landschaften und Konturen bei einem Besuch so zu sehen, wie Feininger sie in seinen Bildern wie ein Architekt entworfen zu haben scheint. Ein Maler mit der Kamera, aber ein Maler von unbeweglichen Ikonen. Nichts bewegt sich mehr. Auch der Rauch und die Ketten der Züge sind festgestellt in der Linienführung der Komposition.

Man spürt auch in den Naturbildern keine Bewegung und nicht den Hauch einer Idylle. Diese Welt ist nicht schön im bürgerlichen Selbstschutzverständnis, wohl aber in hohem Masse sehenswert. Seht genau hin, sagen diese Bilder, versucht wenigstens einen Teil ihrer Oberfläche zu erfassen. Es ist dieser nüchterne Blick, der sie so eindringlich macht. Eins seiner Bücher trägt denn auch den Titel "Anatomie der Natur" (1965), also Architektur im Raum, Anatomie in der Natur, eine konstruktive und dann im Spätwerk auch der Natur gegenüber fast medizinische Auffassung, in jedem Falle eine rationale, der Mystik und dem Irrealen abgeneigte Haltung.

Seine Thematik und seine Bildform weisen diese eigentümliche Konstanz, um nicht zu sagen, Starre auf. Man muss schon Daten auf den Bildtiteln oder Werbeschilder und die Autokarosserien studieren, um eine zeitliche Einordnung zu finden, eine stilistische Fortentwicklung oder Variation wird es nicht geben. Ob man sich die Bilder der 40er oder der 60er Jahre vornimmt, Unterschiede gibt es anhand der Wandstrukturen oder der Inschriften, in der weiterentwickelten fotografischen Technik, nicht aber im Stil, und diese eigentümliche Zeitlosigkeit findet sich in diesem Werk gerade in einem so Zeit bezogenen und Zeit abhängigen Medium wie der Fotografie. Zuletzt zieht sich auch zeitlos durch Feiningers Werk zu den von Menschen geschaffenen Räumen und Formen die Rekonstruktion der Natur, Wald, Fels, Berg und Wüste in ihrem von Zeit und Menschen unabhängigen Auftritt. In immer neuen und ewig alten Ansichten und Kompositionen breiten Stammgruppen und einzelne Baumgiganten sich vor uns aus in merkwürdig sortierter und aufgeräumter, fast gesäuberter Anordnung. Auch dahinter verbirgt und zeigt sich der Architekt der Fotografie in seiner Existenz. Im Spätwerk des über sechzigjährigen und auch in dieser Ausstellung, in einem fotografischen Werk, das fast menschenleer ist, überwiegen die Bäume als Zeichen des Lebens und der Dauer.

Zur Eöffnung der Ausstellung AMERICA YESTERDAY im Kunstverein Herford,

Daniel Pöppelmann Haus, 8.2.2003

Literatur

AMERICA YESTERDAY, Thomas Buchsteiner, Otto Letze Hg., Kunstverlag Weingarten 2001,1998

Feiningers Chicago, 1941, 65 Photographs by Andreas Feininger

Andreas Feininger, New York in the Forties. Weingarten

http://www.ernstegener.de/Fotobuch/Feininger/feininger.html

http://www.karlsruhe.de/Kultur/Galerie/Beendet/feininger.html