Zum InhaltsverzeichnisVirtuelles Magazin 2000 

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann


Sprung über den Teich und zurück

Thomas Kellner überzeugte mit seinen Arbeiten Aussteller in Grenoble, Houston, Chicago und New York

Seine Bilder sind zu sehen neben denen der ganz Großen, neben den Pionieren und den Visionären der Architekturfotografie, neben Arbeiten von Hossard, Gaudin, Stieglitz, Atget, Sander, Strand, Man Ray, Kertész, Krull, Evans, Bourke-White, Capa, Bechers, Gursky oder Ruff - um nur einige der international wichtigsten Fotografen zu nennen, die ab 1. Juni im bekannten Musée de Grenoble unter dem Titel "Vues d'Architectures" gezeigt werden. Thomas Kellner, geboren 1966 in Bonn, der an der Siegener Uni ausgebildete Foto-Künstler, wurde vom renommierten Kurator der Ausstellung, dem Leiter des kunstgeschichtlichen Instituts der Sorbonne und künftigem Direktor des Musée d'Orsay, Serge Lemoine, als einer der 13 zeitgenössischen Fotografen ausgewählt, der eine wichtige Position innerhalb der Architektur-Fotografie vertritt.

"Ich falle zehn Treppen rauf", kommentiert der in Siegen lebende Künstler diese Entwicklung, und "werde auf einem ganz anderen Niveau als bisher wahrgenommen": Anerkennung und Verpflichtung zugleich. Diese Anerkennung kommt natürlich nicht von ungefähr, denn Thomas Kellner, dessen Arbeiten aus dem "Europäische-Monumente"-Projekt kürzlich auch in Hamburg, Iserlohn, Frankfurt, Berlin, London, Leipzig, Lannion und Birmingham zu sehen waren und nicht nur den Big Ben, sondern auch den Kölner Dom und Eiffelturm in bewegte Tänze zu versetzen vermochten, überzeugt mit seinen Arbeiten auf Anhieb: Unbeschwert und heiter wirken sie auf den ersten Blick und fordern dennoch den Betrachter zur intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Perspektive, und damit den eigenen Wurzeln, heraus angesichts der Vielfalt und der plötzlich sichtbar werdenden Brüchigkeit der gerade noch so festen Monumente.

Natürlich genügt es nicht, will man am Kunstbetrieb und gar im internationalen teilhaben, "nur" ansprechende Arbeiten zu liefern und mit einer eigenen, charakteristischen Handschrift zu überzeugen. Man muss auch präsent sein - und wahrgenommen werden. Deshalb zeigt Thomas Kellner auch seit Jahren - seit 1997 ist er freischaffend tätig - seine Arbeiten auf internationalen Foren. Seine Ausstellungsliste ist entsprechend "gut sortiert"!

An die Ausstellungsbeteiligung in Grenoble ist er beispielsweise durch eine ganze Verkettung von "Präsenzen" gekommen: Er fährt regelmäßig zum "Rencontres Internationale de la Photographie" in Arles und hat dort während des Festivals seine Arbeiten in einem leerstehenden Ladenlokal gezeigt. Der Leiter des Photofestivals von Lannion sah seine Ausstellung und lud ihn 2001 zum Festival in die Bretagne ein. Den Katalog dieses Treffens wiederum sah Serge Lemoine und lud Thomas Kellner daraufhin ein, sich an der wichtigen Ausstellung in Grenoble mit zwei Arbeiten zu beteiligen.

Aber auch in Amerika hat Thomas Kellner inzwischen "einen Fuß in der Tür", was ja nicht allzu vielen Europäern mit Fotografie gelingt. Im März diesen Jahres nahm er am Houston Photo Festival teil, seit 18 Jahren einer der wichtigsten Treffpunkte für (Kunst-, nicht Werbe-) Fotografen auf der einen Seite und Aussteller, Galeristen, Kritiker, Museen und Verleger auf der anderen, ein "who is who" in Sachen Fotografie. Das Treffen, das diesmal unter dem Motto "Classicism and beyond" stand, ist als eine Art Casting organisiert, erzählt Kellner, bei dem man Termine für Gespräche mit den gewünschten Vertretern des Kunstbetriebes bekommt und seine Arbeiten präsentiert. Rund 60 Leute hat er gesprochen. Ergebnis (u.a.): Das Museum of Fine Art in Houston, das eine sehr bedeutende fotografische Abteilung besitzt, hat eine Arbeit von Thomas Kellner angekauft - "Big Ben", tanzend. Das Art Institut of Chicago hat bereits nachgezogen und gleich mehrere Arbeiten für die Collection of Photography erworben und auch in Deutschen Sammlungen findet man bereits seine Arbeiten.

In den USA ist er also jetzt so richtig öffentlich. Im Februar 2003 wird er in der New Yorker Galerie "Rosenberg & Kaufman" seine Monumente-Ausstellung zeigen, während eine der weltweit größten Fotomessen läuft, die der Association of International Photography Art Dealers. Von Februar bis Mai sind seine Arbeiten in der "Schneider Gallery" , Chicago zu sehen, während der Internationalen Kunstmesse.

Weitere Ausstellungen sind in Planung - so sind Einzelausstellungen im walisischen Cardiff, Los Angeles, Portland, Denver und eventuell auch in Houston projektiert, ein New Yorker Verlag denkt über einen Fotokalender nach, das Magazin "Aperture" plant für das kommende Frühjahr einen Artikel, das Projekt "Europäische Monumente" soll eine amerikanische Entsprechung finden, ...

Ab Mitte September gastieren Kellners Monumente in der Münchener Galerie Objekte in der Kurfürstenstrasse.

 

www.tkellner.de

www.thomaskellner.kulturserver.de