Zum InhaltsverzeichnisVirtuelles Magazin 2000 

Paulo Frank Boer

Erstellung eines audio-visuellen Rundgangs durch das Quartier Radewig,

Für die Realisation dieses Rundgang-Projekts benutze ich eine "Erfahrbare und Begehbare Camera Obscura", die über ein intensives Erleben zu einem neuen, umfassenden und vertieften Bezug des Menschen zu seiner Umgebung beiträgt. Die Camera Obscura, die aktuell auf der Baustelle des Marta Museums steht, ist ein umgebauter Bauwagen, der als eine fahrbare und begehbare Camera Obscura funktioniert. Auf einer runden Projektionsfläche in seinem Inneren können die bewegten Bilder betrachtet werden. Durch einen technischen Aufbau für den Lichteinfall durch eine Linse und über einen Spiegel wird das Bild von außen nach innen projiziert. Daran befestigt verstärkt ein Richtmikrophon die äußeren Geräusche ins Innere des Wagens. Der Aufbau kann um 360 Grad gedreht werden. Speziell für die geplante Rundgang-Dokumentation des Quartiers Radewig, wird zu dem oberen Aufbau (Konstruktion mit Linse, Spiegel, Tonaufnahmegerät und Parabolmikrophon) ein elektrischer Motor integriert, der den Aufbau gleichmäßig um 360° dreht. Diese Rotation bewirkt, dass sich die projektierten Bilder im Inneren auf dem runden Projektionsontisch gleichzeitig um 360° drehen. Eine am Deck des Bauwagens fixierte Digital-Videokamera nimmt sowohl die entstehenden Bilder wie Geräusche auf (Direkt vom Parabolmikrophon). Auf diese Weise entsteht ein rundes Panoramabild des Aufstellungsortes. Dieser Wagen soll an ca. 11 verschiedenen Orten im Quartier Radewig aufgestellt werden und sie auf beschriebene Weise dokumentieren. Die Standorte werden so ausgesucht, dass sich die Bilder teilweise überschneiden und Anknüpfungspunkte deutlich werden.

Die Gesamten Daten werden in einem Kurzfilm auf CD Rom zusammengestellt.

Die Präsentation

Die Arbeit soll im Schaufenster eines leerstehenden Ladens installiert werden. Das Schaufenster wird zu etwa 1/3 mit Transparent Papier und zu etwa 2/3 mit schwarzem Papier abgeklebt. Das Transparent Papier wird als Projektions-Fläche benutzt. In der Mittle des Raums wird ein Beamer Projektor auf einem Podest platziert, das sich mit Hilfe eines elektrischen Motors um 360° langsam dreht. Der Film wird sowohl auf die Wände als auch auf das Transparent Papier projiziert. Die Bilder sind innerhalb und außerhalb des Ladenraums sichtbar. Gleichzeitig sind die Tonbandaufnahmen mit den entsprechenden Geräuschen im Inneren des Raums zu hören. Die Projektions-Bilder werden sich in zwei Richtungen bewegen- analog unserer Erd-Kugel im All: Translation (horizontal durch den Raum) und Rotation (um die Achse).

Die "Erfahrbare und Begehbare Camera Obscura" und der Präsentationsraum sollen zwei Wochen lang auf dem Gänse Markt ca zwei Stunden täglich für Besichtigung geöffnet sein.

Zur Idee des Projekts

Gedanklich erfasse ich den Stadtraum Herford als einen umfassenden Raum, der durch Ansammlungen von Häusern, Straßen- und Flussläufen gegliedert ist. Bezeichnen wir diesen Raum als gedachten "Makrokosmos", so erstelle ich mit der Camera Obscura ein Gegenbild mit der Möglichkeit im Inneren eines dunklen Raums durch eine Linse den "Mikrokosmos" zu betrachten. Der äußere Raum kann mit Bildern im Inneren erkannt werden. Der Ist-Zustand des Ortes in seiner Veränderung und Bewegung wird fokussiert, ein Raum-Zeit Erleben des Stadtlebens wird dokumentiert. Der visuelle Eindruck gekoppelt mit den akustischen Reizen verweist auf die Gleichzeitigkeit von Geschehnissen. Die abschließende Präsentation wird diesen Bezug zum Gesamtgeschehen verdeutlichen.