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Sigrid Holtmann

 

"Fotofix"/ "Auf der Freiheit" - Eine fotografische und akustische Momentaufnahme des Radewig-Quartiers

Direkt an der vierspurigen Durchgangsstraße "Auf der Freiheit" steht ein kleines Fotohäuschen zum automatischen Erstellen von Passfotos, das mich schon lange fasziniert.

Sicherlich wird es während der Öffnungszeiten des in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Einwohnermeldeamtes stark frequentiert, an den Wochenenden aber bildet es, leer und unbenutzt, einen seltsamen Kontrast zu der stark befahrenden Straße.

Obgleich von den zumeist motorisierten Passanten unbeachtet, könnte das Fotohäuschen den Besuchern der Stadt und insbesondere des Radewig ins Auge fallen, ist es doch an prominenter Stelle platziert. Es markiert, an ein Wärterhäuschen erinnernd, den Übergang vom Wall in das Stadtviertel.

Dieses Fotohäuschen, das jeder Neubürger, überhaupt jeder Besucher des Einwohnermeldeamtes wenigstens gesehen, vielleicht sogar benutzt haben dürfte, soll Ausgangspunkt für meine künstlerische Aktion sein.

Ich möchte die Bewohner des Radewig bitten, sich dort fotografieren zu lassen und etwas über ihre Person und ihr Verhältnis zum Stadtviertel zu erzählen. Jeder Besucher des Fotohäuschens soll demnach fotografisch und seine Aussagen sollen per Tonaufnahme akustisch dokumentiert werden. Es sollen "alte" und "neue", junge und alte Bewohner ihre je eigenen Eindrücke, ihr Wissen über den Stadtteil und seine Menschen mitteilen. Da das Fotohäuschen an den Sams- und Sonntagen im Allgemeinen nicht benutzt wird und die Radewiger an diesen Tagen voraussichtlich am ehesten Zeit erübrigen können, würden sich Wochenendtermine für die Aktion anbieten ( im August, September und zusätzlich ggf. im Oktober während der Projekttage - 26./27.10.2002 ). Ein Modus für die Bekanntgabe der Termine (Anschreiben, Werbung in Geschäften usw.) muss noch festgelegt werden.

Die so zusammen mit den Bewohnern entwickelte, subjektive "Geschichte" des Radewig-Quartiers soll möglichst schon während der Projekttage im Oktober in einer ersten vorläufigen Form zu sehen sein. Mögliche Präsentationsformen wären Foto mit Angaben zum Zeitpunkt der Aufnahme, zur Person und einem Ausschnitt bzw. dem gesamten Text der Äußerungen. Der Text könnte lesbar oder auch als Hörbeispiel präsentiert werden. Der Ausstellungs Ort sollte möglichst in relativer Nähe zum Aufnahme Ort gewählt werden. Denkbar wären aus meiner Sicht z. B. die Flure des Einwohnermeldeamtes oder auch Schaufenster oder -kästen, die sich in nicht allzu großer Entfernung zum Fotohäuschen befinden.

Diese Aktion ist diachron angelegt, so dass bei entsprechender Resonanz die Aktion jährlich wiederholt werden könnte und die Bewohner des Radewig auf diese Weise die Möglichkeit hätten, ihre ganz persönliche Geschichtsschreibung fortzusetzen und zu dokumentieren.