Virtuelles Magazin - Ausgabe 2 - 2000

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Menschenbilder - fotografische Sichten von Jürgen Escher
 
Fotografien sind Sichten auf einen Ausschnitt der Realität und immer sind es Welten, Dinge, Menschen die uns betreffen. Die Fotografie in ist nicht so sehr ein Fenster, durch das wir blicken, sondern eine Sicht und Bildform. Im fotografischen Bild begegnen sich die Existenz des Fotografen mit der ihn umgebenden und manchmal auch bedrängenden Realität. In diesem Sinne ist sie Dokument der Sicht sowohl wie der Fakten. Der Fotograf sagt nicht so ist - oder so war es, er sagt mit seinen Bildern so hat er es gesehen oder besser - so hat er es zu Bildern geformt. 

Alltag in weitabgelegenen Bereichen indianischer oder afrikanischer Lebensformen. Oft sind es dennoch auch Krisensituationen. Bei seiner Fotoarbeit geht Escher auf die Menschen und ihre Lebensgestaltung ein. Er lebt mit ihnen, wenn es geht über Wochen und Monate. "Keins meiner Bilder", sagt er, "ist ohne das Einverständnis der Fotografierten entstanden". Eschers Bilder meiden das Sensationelle ebenso wie die europäische Attitüde des Mitleids oder der ethnografischen Neugier. Seine Menschenbilder strahlen Selbstverständlichkeit und Selbstbewußtsein von Menschen aus, die anders leben als wir- aber doch deshalb nicht unbedingt schlechter. "Als Fotograf", sagt Escher, "fühle ich mich der Tradition der sozialengagierten Fotografie verpflichtet. Diese Fotografie war von Anfang an darauf ausgerichtet, Veränderungen zu bewirken." Veränderung im Sinne Eschers, das meint hier wenigstens teilweise Korrektur der Schäden, welche der Einbruch der westlichen Zivilisation und des Christentums in diesen Kulturen angerichtet hat. 
In der Konsequenz entstehen viele seiner Bilder im Auftrag von sozialengagierten und kirchlichen Organisationen.
Engagierte Fotografie, was ist das ? Nicht der Fotograf wird vordringlich engagiert, für irgendeinen Auftrag, für irgendeinen Zweck, nicht wie ein Schauspieler, ein Designer, ein Werbefotograf und Paparazzo, sondern er engagiert sich selbst, für eine selbstgewählte Sache, für ein ihn persönlich betreffendes Gebiet. Escher entwickelt seine Themen und Konzepte selbst - bis hinein in die publizistische Gestaltung, er ist kein bloßer "Bildlieferant". Daraus ergibt sich seine besondere Bildsprache und eine Authentizität, wie sie der vielfach bestehenden Praxis der Unverbindlichkeit diametral entgegensteht. Seine Themen ergeben sich aus der unmittelbaren Erfahrung. 
Goldmine, Choco, Kolumbien, 1989
Jürgen Eschers fotografisches Thema, das Leitmotiv seiner Arbeit, ist, nach seinen Worten, die Würde, die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens. Er arbeitet als Fotograf vorwiegend in den Ländern der "dritten Welt", in Asien, Lateinamerika, Afrika. Seine wesentlichen Arbeiten zeigen nicht sosehr die Ausnahmesituationen sondern den 
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